Zum Felsriesen

Schwägalp – Lauchwis – Stoossattel – Tierwis

Waren wir am Raben bis auf die Schwägalp gelaufen, wollten wir am Sonntag hier unsere Wanderung nahtlos fortsetzen. Also bestand die erste Aktivität wieder im Besteigen des Busses, hier liebevoll Postauto genannt, de uns wieder zurück an die Stalle brachte, an der wir zuvor die letzte Etappe beendet hatten.

Das Bild war wieder sehr ähnlich wie am Vortag. Eine schier endlose Blechlawine hatte sich schon auf alle verfügbaren Parkflächen verteilt, Motorräder dröhnten schon in großer Zahl hin und her auf diesem beliebten Pass. Eine wahre Wandererkarawane befand sich auf dem steilen Steig direkt zum Säntis. Den wir allerdings sehr bald links liegen ließen, da unser Tagesziel die Tierwis und das gleichnamige Berggasthaus an der Westflanke des Säntis war. Der direkte Aufstieg wäre steil, überlaufen und in zwei Stunden geschafft. Wir wollten uns allerdings den ganzen Tag vergnügen, deswegen hatten wir einen großen Umweg geplant.

Zunächst ging es sogar ein wenig bergab. So viel, dass sogar schon Bedenken geäußert wurden ob der Richtigkeit des eingeschlagenen Wegs. Dank Routenplanung und genug Saft auf dem Smartphone und dessen GPS-Funktionalität ist das ja heutzutage gar kein Problem mehr, halbmetergenau zu verfolgen, wenn man das Gefühl hat, von der eigenen Planung abgewichen zu sein.

Aber alles korrekt. Fast einsam überquerten wir zunächst die Säntisalpe. Die Kühe waren hier ebenfalls schon weg. Die Ruhe wurde nur durch die Passstraße beeinträchtigt. Das Motorradgedröhn sollte uns den halben Tag zumindest unterschwellig begleiten.

Friedliche Alplandschaft. Der Motorradsound von der Passstraße war allerdings nicht zu überhören.

Ein leise plätscherndes Bächli überquert und dann ging es auch schon bergauf. Noch ein letztes Mal spendete uns ein Brunnen an einer auch schon verlassenen Sennhütte Wasser zum Auffüllen unserer Flaschen, dann wurde es sehr alpin. Der Blick nach links zeigte einen weiten sehr steilen Hang – da ging unsere Route durch. Durchaus anspruchsvoll und vor allem nichts für Höhenängstliche – ein meist sehr schmaler Pfad, der sich felsig und kühn durch den steilen Hang schwang. Eine ganze Weile waren wir hier beschäftigt, bis wir den Stoossattel erreichten, wo man ganz plötzlich und ebenso steil und kühn in die andere Talseite hinunter schauen konnte.

Von dort führte der Weg steil einen Grashügel hinauf, nach der Balancenummer im Steilhang trotz der Steilheit recht angenehm. Und bald öffnete sich der Blick auf eine spektakuläre Felsenlandschaft. So könnte es auf dem Mond aussehen – große und kleine zackige Felsbrocken wie ausgeschüttet auf den Hängen. Dort, wo die Felswände in den Himmel wuchsen, wellenförmige Muster aus parallelen Bändern einstiger Meeresbodenschichten, die jetzt Tausende von Metern in die Höhe ragen.

Spektakulär: Felsen und Geröll, so weit das Auge reicht.

Mit der Querung dieser Felsenlandschaft waren wir jetzt eine ganze Weile zugange. Nicht mehr so ausgesetzt wie im Steilhang zuvor machte das Hopsen von Stein zu Stein sehr viel Spaß. Man muss natürlich sehr aufpassen, dass man nicht zwischen die scharfkantigen Brocken gerät und die Schritte gut und sicher setzt. Ein ständiges Auf und Ab forderte allerdings auch noch mal die schon etwas müden Wandererbeine. Aber die Sonne lachte vom blauen Himmel, jetzt konnten wir die perfekte Ruhe genießen und Stück für Stück kamen wir voran.

Kurz vor dem Ziel zeigte sich, dass die Pfiffe, die uns schon im Steilhang auf der anderen Bergseite stets begleitet hatte, tatsächlich von Murmeltieren kamen: rannte doch ein wahrhaftiges Exemplar ein paar Meter von uns entfernt durch die Wiese. Leider reagiert es auf den Zuruf und die Bitte zum Fototermin nicht, sondern verdünnisierte sich vermutlich in seinem unterirdischen Zuhause. Murmeltiere scheinen noch nicht so sehr der Selfie-Kultur anzuhängen wie manche Menschen.

Und dann war die Tierwis erreicht. Eine „urchige“ (so sagt der Schweizer) Wirtschaft, die schon unseren Urgroßeltern Speis und Schutz vor alpinem Ungemach boten. Und seit dieser Zeit wurde sie auch nur behutsam modernisiert. Alles gut in Schuss gehalten und sogar ein bisschen elektrisches Licht per LED-Beleuchtung. Aber die Dielen knarzen seit vielen Jahrzehnten ihre Seufzer und die Bänke und Tische mit ihren kunstvoll gedrechselten Beinen im Speiseraum haben schon viele Wanderer gesehen.

Die Tierwis links, der Säntis rechts.

Am nächsten Morgen ging es dann das letzte Stück bis auf den Säntisgipfel hinauf. Was an einem Montagmorgen eine ziemlich gute Idee ist, da wir wieder fast alleine unterwegs waren. Der Steig auf den Gipfel ist zwar felsig und steil, aber so abgesichert und angelegt, dass die Massen, die an Wochenenden hier hinauf walzen, sicher ankommen. Im Vergleich zum Vortag war das also eine überschaubare Nummer. Fulminant windet sich der Steig zum Schluss über den Gipfelgrat, hier allerdings mit doppeltem Drahtseil und Stahlstufen versehen. Offensichtlich wurde das letzte Stück gegenüber früher auch noch entschärft – ich kann mich an eine Leiter direkt am Fels und eine Stahltür erinnern, durch die man ins Innere der Gipfelanlage kam und danach auf die Plattform. Jetzt war das eine Tür, die ins Innere eines Bretterverschlags führte und dann in den Tunnel.

Beim Gipfelaufstieg zum Säntis: Ganz oben – zwei Steinböcke! In ganz echt!

Auf der Gipfelplattform begegneten einem dereinst (in präpandemischen Zeiten) durchaus zum Beispiel Chinesinnen mit Goldsandälchen. Jetzt waren es im Wesentlichen Schweizer und eine Handvoll Deutsche, zum Teil aber ähnlich ausgerüstet. Was einem ziemlich grotesk vorkommt, nachdem man Stunden im steilen Fels geschwitzt hat und selbst verdreckt und staubig diesen parfümierten Bergbahnalpinisten begegnet.

Der Sendemast auf dem Säntis. Den kann man sogar – gute Sicht vorausgesetzt – von der Friedrichshafener Uferpromenade sehen.

Nichtsdestotrotz – obwohl schon viele Wolken unterwegs waren, hatten wir noch Sonne und einen fantastischen Ausblick auf Bergspitzen , die aus dem Wolkenmeer ragten. Ein großartiger Kulminationspunkt und ein wunderbares Finale der Kurzreise, die wir mit der Heimreise mit Bergbahn, Postauto, Bahn und Fähre wieder beendeten.

Hinauf zu den Felsriesen

Appenzell – Kronberg – Schwägalp 16 km

Die Sonne leistete uns schon am Start kräftige Gesellschaft. Umso prächtiger leuchteten die bunten Appenzeller Fassaden, die wir bald hinter uns lassen mussten. Heute wollte ein richtiger Gipfel überwunden werden, wenn auch mit unter 1700 m einer der Bescheideneren hier in der Gegend. Auch die heutige Etappe folgte dem Schweizer Alpenpanoramaweg.

Stetig stieg der Weg an, mal durch dichten Wald, mal über noch taufeuchte Wiesen. Wie am Vortag begleitete uns Kuhglockengebimmel. Immer weitere Blicke auf das Tal öffnete sich, wo morgens noch Nebel wie große Wattebäusche am Talgrund zu sehen war. Wo der Nebel sich verzogen hatte, blickte man über weite saftig grüne Hügel, auf denen wie aus dem Würfelbecher ausgeschüttet viele der typischen Holzhäuser standen. Als Gott diese Landschaft schuf, hat er sich vermutlich zunächst eine Modelleisenbahnlandschaft angeschaut und dann das Appenzeller Land erschaffen.

Modell-Modelleisenbahnlandschaft.

Mit wachsender Höhe wurden irgendwann die Kühe rarer. Offensichtlich sind die Herden von den oberen Alpen schon jahreszeitenbedingt hinunter geführt worden. Gerade heute fand in Urnäsch wohl die sogenannte Alpabfahrt statt, wonders heißt das Almabtrieb, meint aber genau dasselbe.

Dafür wurden die Menschen zahlreicher. Der Kronberg ist so ein typischer „Familienberg“ – ungefährlich, breite Wege und von Kindern fast jeden Alters gut zu bewältigen. Außerdem führt eine Bergbahn direkt hinauf. Es war also irgendwann ziemlich vorbei mit der bovinen Ruhe, dafür zahlreiche Wandersleute in allen Altersstufen, Formen und Farben. Trotzdem geriet man nie in ein komplettes Rummelfeeling. Die Schweizer sind auch in gehäufter Anzahl höflich und unaufgeregt. Stets wird man mit einem freundlichen „Grüezi“ begrüßt, ob jung oder alt.

Am Kronberggipfel kehrten wir in das dortige Gipfelrestaurant ein. Auch dort viel los, aber wir hatten kein Problem, unterzukommen. Es gab einen so genannten „Coupé Fellenberg“, eine kalorienreiche Komposition aus einer stattlichen Kugel Vanilleeis, einem Rosettchen Schlagsahne und (das war der Clou) lauwarmem, leicht beschwipsten Zwetschgenkompott.

Gewaltig thront über dem Kronberg das Felsmassiv der Säntis-Nordwand. Der gesamte Felsriegel läuft weit nach Osten bis hinter dem Hohen Kasten, dem wir letztes Jahr aufs Dach gestiegen, oder besser gefahren waren. So bescheiden der Kronberg bei der Höhe ist, so imposant ist die Aussicht auf die umgebende Alpinlandschaft, wie ein massiver Aussichtsbalkon.

Der Felsriegel des Säntis

Dann ging es wieder leicht bergab der Schwägalp-Passhöhe entgegen. Schnell waren die vielen Menschen verschwunden und wir waren über weite Strecken wieder sehr ruhig alleine unterwegs. Nach einem Stückchen anstrengenden Abstiegs verlief der Weg in angenehmem Auf und Ab, über Wiese und durch knorrigen Wald. Manchmal musste man gut aufpassen, dass man nicht über Wurzeln purzelte.

Schlussendlich erreichten wir die Schwägalp-Passhöhe. Blechlawine auf dem Parkplatz, Höllenlärm durch passtraßenüberquerende Motorradfahrer und viele viele Menschen. Wir mussten allerdings nur kurze Zeit dort verbringen, bis der Bus uns nach Urnäsch bringen würde, dort wartete das reservierte Hotelzimmer. Ein Bus mit Busanhänger, alles ziemlich voll, schaukelte uns alle dann ins Tal.

In der Krone nächtigen wir, im Löwen speisten wir. Sehr bodenständig wenngleich überaus angenehm. Und dann kam noch die Musik: vier stattliche Appenzeller Mannsbilder in roter Weste und goldenem Ohrring, die mit Kontrabass, Keyboard, Akkordeon und Hackbrett volkstümlich aber sehr hörbar weil authentisch musizierten. Und das Allerbeste wurde gegen später zum Besten gegeben: ein Tisch voll weiterer klassisch gekleideter Rotwesten hob spontan zum mehrstimmigen Gesang an. Klänge verschiedener Akkorde, die ohne Noten und Text entstanden und sich scheinbar spontan ineinander verwoben, von kräftigen, schönen Baritonstimmen erzeugt. Ein absoluter Gänsehautmoment.

Es wurde musiziert. Wie man hier so musiziert.

Mit der Straßenbahn zu den schönen Appenzeller Kühen

Trogen – Bühler – Appenzell 18 km

Herbstzeit ist Wanderzeit und die Liegeräder dürfen morgens liegen bleiben. Wir mussten aufgrund coronabedingter Urlaubsknappheit ein Wochenende miteinbeziehen und deswegen suchten wir uns eine Route aus, die vermutlich wenig überlaufen wäre. Die Schweizer National-Wanderroute 3 – die Alpenpanoramaroute – verläuft vom Bodensee bis an den Genfer See. 29 Tagesetappen waren natürlich zu viel für ein verlängertes Wochenende, aber für ein kurzes Stückchen versprach diese Route zwar tolle Aussichten, aber so wenig spektakuläre Bekanntheit, dass mit viel Ruhe zu rechnen war.

In Trogen stiegen wir ein, das erste Stück vom See weg nahmen wir die Bahn. Das war auch sehr klug, weil sich heute der See und Umgebung vornehm in herbstlichen Nebel hüllten. Die Fährüberfahrt war ziemlich grau in grau. Bis St. Gallen änderte sich hieran nichts. Wir stiegen um, Gleis 12 war vor dem imposanten Bahnhofsgebäude und letztendlich war diese Bahn auch nichts weiter als eine gemütliche Straßenbahn im kräftigen Rot der Appenzeller Bahnen.

Beeindruckend allerdings, welch steile Anstiege diese Bahn überwand, und das ohne Zahnrad. Wir bummelten ohne Unterlass steil bergauf und waren bald mittendrin in der Hochnebelschicht. Die dann ja zu Bodennebel mutiert. Spannend war, ob wir auch oben aus der Nebelschicht hinaus fahren würden. Was letztlich nicht klappte, wir starteten in Trogen im Nebel.

Schnell waren wir auf schmalem Wandersteig und ließen den Ort und die Straße hinter und unter uns. Höher und höher führte uns die Route, ganz still, nur allenthalben ein leises Konzert aus verschieden gestimmten Kuhglocken.

Auf dem ersten Hügel, der „Hohen Buche“, ließ sich zum ersten Mal nennenswert die Sonne blicken. Nebelschwaden umwehten uns aber immer noch zahlreich.

Hügel und Wald im Nebel.

Nach der „Passhöhe“ nutzten wir eine der wenigen Bänke zur bequemen Nahrungsaufnahme. Nur, dass diese Bank so gut wie mitten in einer Gruppe liegender zum Glück sehr friedlich wirkender Kühe stand. Ich ging davon aus, dass wir in friedlicher Koexistenz unseren Tätigkeiten nachkommen können würden – Vesperbrote einnehmen einerseits und liegen andererseits – und begann mit der notwendigen Mahlzeit. Nach einer Weile erhoben sich allerdings zwei der offensichtlich jungen Damen, eine entledigte sich überflüssiger Körperflüssigkeit, eine andere kam uns neugierbedingt dann doch sehr nahe und glotzte uns, unsere Möhrchen und die Vesperbrote an. Swen war nicht wirklich entspannt in dieser Situation, sodass wir nach halber Portion wieder einpackten und weiterzogen.

Das war die Neugierigste. Kühe, die auf Vesperbrote starren.

Weiter ging es jetzt mehr und mehr in wunderschönem Sonnenschein über saftig grüne Hügel mit vielen prächtigen Kühen, netten blumengeschmückten Appenzeller Holzhäusern bis zum Dorf Bühler hinunter. Letzteres war wenig spektakulär und schnell durchschritten. Eine jetzt kuhfreie Sitzbank oberhalb des Dorfes diente uns zur Einnahme der zweiten Hälfte der Jause.

Ein zweiter Hügel wollte überwunden werden. Der Weg war hier zum Teil schon sehr alpin steil und schmal. Immer noch ständig Kuhglockengebimmel, was die Ruhe ansonsten heiter und sanft begleitete.

Langsam zeigte sich auch der Große der hiesigen Gegend: mehr und mehr hob sich aus dem Dunst die Silhouette des Säntis hervor. Die Alpenpanoramaroute scheint ihren Namen nicht von ungefähr zu haben. Aussichtsreich wanderten wir bis zum Schluss auf schönen Wald- und Wiesenpfaden nach Appenzell über unzählige Kuhweiden und noch viel mehr der friedlichen Milcherzeugerinnen. Unzählige Elektrozäune öffneten und schlossen wir wieder an den dafür vorgesehenen Handgriffen.

Schlussendlich erreichten wir Appenzell. So ein schönes Städtchen. Eine vermutlich einmalige Ansammlung fröhlich bunt gestalteter Fassaden altehrwürdiger Appenzeller Holzhäuser. Alles sehr hübsch, gemütlich und wie es sich für die Schweiz gehört, sehr sauber. Wir sahen live, wie vor einem Geschäft das Pflaster gestaubsaugt wurde. Nach einer „Panache“ im Biergarten der „Sonne“ fanden wir schnell unser ebenso gemütliches Hotel, wo wir gut speisten. Schon wieder etwas erlebt, hier in der Schweiz.

Lauter schöne Häuser hier. Und hier sogar noch eine Gartenzwergarmada obendrein.

#berlinkopenhagen resümiert

Berlin – Kopenhagen 690 km

So alles in allem, welchen Eindruck hinterließ der Fernradweg?

Allem vorweg genommen: Wenn es jemand drauf anlegt, schnell von A nach B zu kommen, ist das definitiv die falsche Route. Sie beschreibt einigen Zick und Zack, sowohl kleinräumig als auch was die grobe Routenplanung anbelangt. Sie ist eine typische touristische Route, die aber auch einiges an Highlights in der Gegend mitnimmt.

Als da zum Beispiel wären: zu Beginn führt die Route erstenmal westlich aus Berlin heraus, aber auf sehr verkehrsarmer und schöner Strecke. An der Havel schwenkt sie nach Norden und folgt dieser bis in die mecklenburgische Seenplatte, die auf schönen Sträßchen und Wegen durchquert wird. Zum Abschluss ist noch Waren an der Müritz dabei, was fast schon so attraktiv ist, dass es ein wenig überlaufen wirkt.

In Waren. Sehr hübsch, und gut was los.

Danach ist gemütliche Landpartie, im Prinzip bis Rostock. In Güstrow gibt es noch eine sehenswerte Stadt nebst Schloss, das wirkte aber eher etwas wie Dornröschenschlaf. Danach ist nur noch Landpartie, auch mit extrem dünner Infrastruktur. Selbst Friedhöfe sind selten, dass sind ja sonst zuverlässige Lieferanten von frischem Wasser.

Die Route in Dänemark verläuft über Møn, sehr sehenswert wegen den Kreidefelsen „Mons Klint“ und dann zum überwiegenden Teil direkt an der Ostküste, wo noch einmal beeindruckende Kreideklippen (Stevns Klint) im Programm sind. Der Speckgürtel vor Kopenhagen wird dann noch einmal auf einem nicht sehr logischen Zickzackkurs umfahren, bevor man ganz zum Schluss über die Küste ins Innere von Kopenhagen rollt. Letzteres ist sehr angenehm auf grüner Route bis ganz kurz vor dem Zentrum. Und immer auf vernünftiger Radwegeanlage.

Bemerkenswert an der durchfahrenen Landschaft ist der hohe Waldanteil, vor allem im deutschen Sektor. Zum einen ist das ganz wunderbar, wenn gerade der ganze Norden wegen einer Hitzewelle stöhnt, zum anderen ist es gut zu sehen, wie viele zusammenhängende Waldgebiete wir noch in Deutschland haben. Auch sahen wir nur wenig Fichtenmonokulturen, aber viele gesund wirkende Laubmischwälder.

Großartige Fahrradstrecke im schattigen Wald.

Ansonsten sieht man viele Äcker. Landwirtschaft ist vor allem in Dänemark ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, und das merkt man auch als Radtourist. Nicht zuletzt am Schwerverkehr, der in den entlegensten Ecken landwirtschaftliche Produkte an- und abliefert. In Dänemark hat man ebenfalls öfter das olfaktorische Vergnügen, Schweinefarmen zwar nicht zu sehen sondern zu riechen.

Sehr willkommen waren die vielen Bademöglichkeiten. Im ostdeutschen Teil war ein Sprung in einen See mit einem ausgeschilderten offiziellen Badeplatz nie weit, in Dänemark fand man schnell einen badefähigen Strand. Manche ganz traumhaft mit weißem Sand und frischem, klaren Wasser, manchmal aber auch etwas steinig oder mit etwas Geruchsbelästigung durch verrottende Wasserpflanzen. Auch das macht die Route ideal für heiße Sommerwochen.

Die Beschilderung ist recht gut, nichtsdestotrotz hatte ich die Route auf dem Smartphone und meistens die Navigationshinweise an. Das erspart einem bei den Malen unklarer oder fehlender Beschilderung das Verlorengehen.

An der Wegebeschaffenheit gab es im Großen und Ganzen wenig zu kritisieren. In Mecklenburg mussten wir einmal über ca. 10 km Schotter-Sandpiste, die waren aber gut machbar. Schlimmer war ein Abschnitt kurz hinter Strasen, der eher Trail als liegeradtauglicher Fahrradweg war. Und bemerkenswert im Osten: Zwar gibt es das üble Kopfsteinpflaster der Sorte „Erichs Rache“ kaum noch, manchmal ließen es die Gemeinden aber offensichtlich noch auf kurzen Stücken als Speedregulator für die Motorisierten liegen. Leider ohne an einen glatten Seitenstreifen für die Unmotorisierten zu denken. Waren zwar immer nur kurze Stücke, aber durchaus mit Abwerfpotential zuweilen.

Am Strand: ganz oft, oft ganz wunderbar, meistens sehr wenig Menschen dort.

Mit Sand hatten wir zum Glück so gut wie nie zu kämpfen, breite Bereifung ist aber kein Fehler. Auf der anderen Seite waren gerade in Mecklenburg viele km neu und frisch asphaltiert worden, was sehr erfreute. Also am besten breite Bereifung, die aber auf glattem Asphalt gut rollt.

Unterkünfte hatten wir alle vorgebucht, was der seltsamen pandemischen Lage zu verdanken ist. Im Normalfall bekommt man vermutlich immer spontan etwas, höchstens auf der Seenplatte oder an der Müritz kann es zur Hauptferienzeit eng werden.

Alles in allem: gerade im Hochsommer eine sehr empfehlenswerte Unternehmung!

Dänemarks quirlige Hauptstadt

Kopenhagen – per Rad und zu Fuß

Der Himmel über Kopenhagen begrüßte uns mit dem schon vom Vortag bekannten Einheitsgrau. War also die temporäre Panne im Sommerwetter immer noch nicht behoben. Na, immerhin schien es trocken und die Prognosen ließen hoffen.

Nach coronakonformem Frühstück mit vorgefertigten Sandwiches (die aber sehr nahrhaft und gut waren und, mal ehrlich, sind wir mit den vielen Entscheidungen am Frühstücksbuffet nicht sowieso überfordert?) bestiegen wir unsere Räder und mischten uns in den Kopenhagener Verkehr. Der zum großen Anteil auf dem Fahrrad stattfindet. Man muss also eher ständig den überholenden Fahrradverkehr im Rückspiegel beobachten denn die Autos. Mit letzterem bist du in Kopenhagen ziemlich auf verlorenem Posten.

Wir cruisten mal hierhin, mal dorthin, befuhren die neuen gewaltigen Rad- und Fußgängerbrücken „Lille Langebro“ und Knippelsbro, zogen zwischendurch eine kleine Runde durchs bunte Christiania, wendeten unter dem beeindruckend auskragenden Dach der Oper – momentan auch geschlossen – und rollten schlussendlich am Kastell entlang. Leider entschied sich die graue Himmelbedeckung jetzt doch wieder, Niederschlag zu produzieren. Das Besichtigungsproramm musste auf Indoor umgeplant werden.

Die Kopenhagener Oper. Allerdings nachmittags – mit Sonne.

Wir googelten, was denn so in der Nähe und geöffnet war. Schloss Rosenborg war in der Nähe und hatte nach einem Kaffee geöffnet. Passte also gut. Wir spazierten einfach so an die Kasse, erhielten Tickets und konnten hineingehen. In normalen Jahren muss man hier mit erheblichen Wartezeiten rechnen. Sehr entspannt, auch in den diversen Räumen Christian IV und V waren erfreulich wenig Besucher zugegen. Die Menschen vermeiden Gedränge schon sehr gut von selbst, die Unvernünftigen finedn immer Möglichkeiten, ihre Unvernunft auszuleben.

Seltene Besuche von Schlössern haben den Vorteil, dass wenn man tatsächlich einmal vor Ort ist, man auch entsprechend beeindruckt ist. Auch die Dänen hatten ihren Louis-XIV-Style und der Pomp und Prunk stand den Franzosen gefühlt in nichts nach. Und mit Schloss Rosenborg handelte es sich wohlgemerkt nur um das „Sommerhäuschen“ der Royalen. Diese hätten ihren Jagdhunden damals nicht die Ferienhäuschen zugemutet, die heute die ganze Welt als Sommerresidenz in Dänemark mietet.

Und die Kronjuwelen! Nicht, dass ich auf so etwas stehen würde. Aber so eine echte Königskrone, fast vierhundert Jahre alt in ihrer ganzen kunstschmiedehandwerklichen Pracht zu bestaunen, ist schon etwas besonderes. Ein immenser Aufwand, der in diese Gegenstände gesteckt wurden und große Handwerkskunst, die bis heute sichtbar ist. Und fast drei Kilo schwer. Man stelle sich vor, dauerhaft mit drei Packungen Mehl auf dem Kopf herumzusitzen.

Schwer beeindruckend und bewacht: die Originalkrone Christians IV

Es regnete immer noch. Passenderweise liegen botanischer Garten mit Palmen- und Schmetterlingshaus gleich um die Ecke. Also gleich noch ein Besichtigungspunkt, der gerade sehr gut passte.

Und auch der lohnt sich ungemein! Gefühlt alle Pflanzen, die unsere Erde je hervorbrachte, finden sich in den zahlreichen wunderschön altmodischen Glashäusern mitt ihren verschnörkelten Säulen und Wendeltreppchen. Eine großartige Vielfalt von Blätter- und Blütenformen und -Farben. Immens groß neben winzig klein, jede Pflanze hat sich auf ihre Weise an ihre jeweilige Nische angepasst. Und als krönender Abschluss des Rundgangs wartet das Schmetterlingshaus, wo den Besucher zahlreiche hauchzarte bunte Flattermänner umschwirren. Wunderschön.

Fühlen sich hier wohl und bereiten den Besuchern Freude.

Nach einem ausführlichen Buffet-Mittagessen bestiegen wir den „Runde Taarn“ (Runder Turm), der sich durch eine Wendelauffahrt auszeichnet, die man in Renaissancezeiten auch per Pferdekutsche zurücklegen konnte. Ein moderner Vorfahr der Parkhausauf- bzw. -abfahrt, sozusagen. Wie die Kutschen allerdings in dem engen Gang zur Abfahrt wieder wendeten, blieb uns schleierhaft.

Glücklicherweise hatte sich das Wetter inzwischen eines besseren besonnen un es kam sogar zaghaft die Sonne hinter den Wolken hervor. Was uns nah einem kurzen Spaziergang durch die innerste Fußgängerzone wieder aufs Rad trieb und wir nochmals zum Kastell fuhren. Jetzt auch mit der kleinen Meerjungfrau, die immer noch genau so traurig schaut wie bei meinem letzten Besuch. Obwohl auch hier keinerlei Rummelgeschehen festzustellen war, was ihr doch sicherlich gefallen haben dürfte. Sie ließ es sich zumindest nicht anmerken.

Pralles Leben im Abendlicht an der Knippelbro

Zum Abschluss des Tages fanden wir einen wunderbar belebten Spot am Ostende der Knippelbro. Waren vor dem Bau der Brück hier nur unfreundliche alte Lagergebäude gewesen, war jetzt neben der vielfach frequentierten Fahrradstrecke ein ganzer Platz voller Buden mit Speis und Trank, Musik aus den Boxen und haufenweiser gut gelaunter Menschen zugegen. Wenn auch coronakonform mit ordentlich Platz jeweils dazwischen, Gedränge war auch hier nicht. Die letzten Sonnenstrahlen mit einem Bio-Bier genießend ließen wir ebenfalls gut gelaunt den Tag ausklingen. Kopenhagen ist einen Besuch wert!

Und dann kommt man doch wieder an

Højerup – Køge – Karlslunde – Kopenhagen 87 km

Fast fiel es uns heute morgen scher, uns loszureißen, so niedlich war das Bed & Breakfast fast direkt an Stevns Klint gelegen. Ein altes Bauernhofensemble liebevoll saniert und zur einer besonderen Übernachtungsstätte umgebaut. Wir hatten unser Kämmerchen (offensichtlich) in einem alten Stall, die Ablaufrinne war noch sichtbar und alles schön dekoriert und mit netten Details versehen. Dazu passend eine gemütliche weiß-getigerte Katze, die sich am Abend sofort schnurrend auf meinem Schoß eingerollt hatte.

Stevns Klint B&B. Bemerkenswert hübsch und sehr freundlich. Auch die Katze.

Das bombige Sommerwetter hatte uns genau an diesem letzten Tag verlassen: der Himmel bedeckt, der Wind kräftig. Zu Beginn schob er uns in Richtung Ziel, die ersten 30 km flogen wir tief. Das waren die letzten Kilometer ruhige dänische Landpartie, die wir die letzten Tage immer genossen hatten.

Wir kamen nach Køge. Das war der erste größere Ort seit langem und offensichtlich der Beginn des Kopenhagener Speckgürtels. Der motorisierte Verkehr nahm hier spürbar zu. Die Fernverkehrsroute führte zum Glück durch die sehr sehenswerte Innenstadt und wir fanden ein sehr niedliches Cafe mit diversen kleinen Hinterhöfen und allerlei hübschem und lustigen Kram. Z. B. hingen haufenweise Sammeltassen im Garten in den Zweigen des hofüberspannenden wilden Weins. Sehr hübsch, auch diese Location wieder.

Im Cafe-Kælderen in Køge.

Um dem Vorstadtverkehr zu entgehen, schlägt sich die Fernverkehrsroute dann ins Hinterland, um im Zickzack quasi im Hinterzimmer der Strandzeile irgendwann kurz vor Kopenhagen wieder direkt ans Meer zu kommen. Diese Routenführung war zwar bezüglich des Verkehrs relativ entspannt, man hatte aber immer das Gefühl, dass man nicht besonders effizient unterwegs war. 10 – 15 km folgten wir der Route, dann beschlossen wir, zum Meer und der dortigen Straße hinunter zu fahren. Einen Radweg würde es dort auf jeden Fall geben.

In Karlslunde über-und unterquerten wir diverse Autobahnen, Straßen und Bahnlinien und erreichten schlussendlich beim Mosede Fort, einer Festungsanlage aus dem ersten Weltkrieg die Küstenstraße wieder. Am Fort gab es ein kleines Café mit Dach, was auch gerade recht kam, hatte es doch eben leicht zu regnen begonnen.

Im leichten Regen fuhren wir nach Eis & Kaffee an der Küstenstraße weiter. Die Fernverkehrsroute traf nach vollendeter Zickzackführung nach einer Weile auch wieder unseren Weg. Kurz darauf bog sie von der Küstenstraße ab, um ca. 20 km vor dem Ziel noch einmal richtig naturnah und verkehrsfrei direkt am Meer in die Hauptstadt hinein zu führen.

Der wir uns mehr und mehr näherten, was sich auch am stetig zunehmenden Fahrradverkehr äußerte. Immer intelligent geführt und ziemlich entspannt rollten wir ins Zentrum. Kurz vor dem Bahnhof, in dessen Nähe unser Hotel ist, gab es noch einen reichhaltig belegten und kunstvoll gerollten Sandwich, und bald darauf rollten wir in die Hoteltiefgarage.

In Vesterbro. Rollender und ruhender Fahrradverkehr allenthalben.

Jetzt fing es richtig an zu regnen. Zum Glück erwischte es uns nicht auf dem Rad, aber den Nachmittag wollten wir so nicht zur Eroberung der Stadt nutzen. Das musste bis gegen Abend warten.

Dann hatte es halbwegs aufgehört zu regnen und wir machen uns auf die Suche nach einem Feierabendbierchen. Was wir schlussendlich sehr stylish an einer zur Kunsthalle umgebauten Kirche mit schönem Biergartenambiente und Heizstrahlern (an) fanden. Die Radtour ist also beendet, wo fahren wir als nächstes hin?

Von Klint zu Klint

Stege – Præstø – Faxe Ladehave – Rødvig – Højerup (Stevns Klint) 80 km

Noch einmal genossen wir unser selbst erstelltes Frühstück in exklusiver Seelage, bevor es weiterging. Zunächst mussten wir aus Stege raus und von der Insel Møn herunter. Mit uns noch sehr viele motorisierte Fahrzeuge, leider am Anfang nicht mal mit getrennter Spur. Der Beginn des Tages geriet also etwas anstrengend.

Kurz vor der imposanten Königin-Alexandria-Brücke, die Møn mit Seeland verbindet, gönnte man dem Radverkehr zumindest einen eigenen breiten Streifen, der auch auf der Brücke zum Glück weiter geführt wurde. Etwas lärmig war es allerdings immer noch. Naja, über derartige Hauptverbindungen müssen eben alle drüber. Auch heute wieder viele LKWs, alle vermutlich etwas Landwirtschaftliches an- oder abtransportierend. Einer stank ganz fürchterlich nach Schweinemist, neben dem mussten wir erst noch an der Ampel warten.

Blick zurück auf die Königin-Alexandria-Brücke. Die wir heute auch auf dem Fünfhundert-Kronen-Schein entdeckten

Zum Glück war bald darauf wieder das gewohnte gemütliche Landprogramm angesagt, heute besonders verkehrsarm. Das Goldgelb der Felder ging langsam in rötlich-braun über – die abgeernteten Felder werden nach und nach untergepflügt. Aber hier auch wieder die gewohnte Abwechslung von Häuschen, Bauernhöfen, kleinen Waldgebieten, Acker und Wiese und die Sträßchen leicht auf und ab und links und rechts. Angenehmes Radeln und zumeist sehr hübsch.

Wir überquerten die erste Landzunge Seelands und kamen bei Præstø wieder ans Meer. Ein ruhiges Fleckchen, vermutlich in der ersten Nachsaison-Ruhepause. Immerhin gab es am Hafen noch geöffnete Gastronomie und – was ja immer sehr wichtig ist – ein Eis.

Der Marktplatz in Præstø ist sehr sehenswert, ein komplett erhaltenes Ensemble von zumeist in verschiedenen Gelbtönen gehaltenen eingeschossigen alten Häusern mit reich blühenden Rosen oder Stockrosen davor, die sich alle Mühe gaben, intensiver Kontrast zum vorherrschenden Gelb zu sein.

Auf dem Marktplatz zu Præstø

Kurz hinter Præstø fanden wir unseren ersten Strand an diesem Tag. Sehr schön hinter einem kleinen Wäldchen gelegen, endlich mal mit Schatten! In dem es gleich zu kühl war, der Südwestwind hatte schon wieder an Stärke zugenommen. Nichtsdestotrotz ein sehr schönes Fleckchen mit angenehmem Ostseezugang.

Der Wind schob uns dann auch im Handumdrehen weiter. Schon früh am Nachmittag erreichten wir Rødvig. Dies war der letzte Ort vor Stevns Klint, an dem wir noch etwas zu essen bekommen konnten. Es war zwar noch früh am Tag, aber wir überbrückten sie problemlos mit hopfenhaltigen Kaltgetränken und einem weiteren Gang an Strand und ins Wasser – hier allerdings ein wenig barfußfreundlicher Steinstrand. Immerhin mit Badesteg. Und es roch unangenehm nach dem schwarzen Seetangzeugs, was durch den auflandigen Wind in die Bucht getrieben wurde.

In Rødvig. Leider finden auch hier die meisten Transporte motorisiert statt und das war nur Deko.

Wir speisten in Rødvig Schwein und Scholle, bevor wir uns auf die letzten 5 km des Tages begaben. Unsere Unterkunft lag direkt an Stevns Klint, auch das beeindruckende Kreideklippen, aber eher lang als hoch. Sehr schön und sehenswert auf jeden Fall – UNESCO- Naturerbe ist es auch noch. Viel Zeit zur Besichtigung hatten wir jetzt natürlich nicht mehr. Aber für ein Gläschen Rotwein (im Daglig Brugsen in Rødvig erworben) in der Abendsonne an der Kirchenmauer der Højerup Kirke waren wir noch rechtzeitig. Den Tag mit „Wein trinken an schönen Orten“ zu beenden, ist ein gutes Konzept.

Klintauf- und ab

Lokalrunde auf der Insel Møn, 55 km

Das schöne Hotell „Stege Nor“ hat zwar eine wunderbare Lage direkt am großen gleichnamigen Binnensee, aber coronabedingt gibt es außer einer Thermoskanne frischen Kaffees kein Frühstück. Also mussten wir uns erst mal selbst versorgen, ein kleiner Supermarkt 3 min vom Hotel hatte alles. Unser selbst gemachtes Frühstück konnten wir dann aber ungestört so lange wir wollten auf der dem See zugewandten Terrasse genießen. Das Hotel ist auch eher so Jugendherbergsatmosphäre – eine große Gemeinschaftsküche und ein schöner Aufenthaltsraum und ebenjene Terrasse – alles sehr einladend.

Irgendwann konnten wir uns dann doch losreißen. Die berühmten Kreidefelsen am östlichen Ende der Insel waren heute unser Ziel. Ziemlich ähnlich wie der Königsstuhl auf Rügen (ist ja quasi gegenüber), dafür ganz viele der beeindruckenden weißen Nasen warten hier auf die Besucher. 20 km muss man von Stege zurücklegen, diese nahmen wir also heute früh unter die Räder.

Das erste Stück führt wenn auch mit Fahrradweg an der einzigen viel befahrenen Landstraße der Insel statt. Überraschend viele LKWs waren unterwegs, was nicht so überragend angenehm war. Diese waren vermutlich alle unterwegs, um die frisch eingefahrene Getreideernte in die großen Mühlen zu verfrachten. Die Welt will eben versorgt sein, was man dann auf einer Urlaubsinsel auch spürt.

Etwa nach der Hälfte der Strecke verließen wir diese busy road. Jetzt ging es noch einmal rauschend hügelab, um dann sichtlich in fast ein Gebirge überzugehen. Møn faltet sich zum Osten hin ordentlich auf, die Klippen sind dann ja auch bis zu 128 m hoch und diese vollumfänglich sichtbar, weil ja direkt am Meer gelegen.

Wir mussten zwar nicht ganz bis zu dieser Höhe hinauf, aber vermutlich das erste und einzige Mal auf dieser Tour auf eine Höhe mit dreistelliger Zahl. Es war auch schon wieder ordentlich schwül, und an den durchaus steilen Rampen floss der Schweiß schon wieder.

Das letzte Stück bis zum Møns Klint Geocenter – dem Besucherzentrum mit Museum, Café, Toilette, Schließfach usw. – wurden Radfahrer und Fußgänger auf einem Naturpfad gelotst. Allerdings waren beim Design dieses Wegs mit Sicherheit keine Liegeradfahrer zugegen gewesen, das war schon sehr Single Trail zum Teil! Aber ganz spaßig, die meiste Strecke. Und bald war der Parkplatz des Geocenter erreicht.

Relativ geruhsam ging es zu, mit Sicherheit auch wegen der pandemischen Situation. Die Dänen kennen die Kreidefelsen schon, ein paar Deutsche waren zugegen, der Rest der Welt bleibt im Großen und Ganzen zur Zeit daheim. Gut für die jetzigen Besucher, kein Rummel gerade, alles sehr überschaubar.

Auf jeden Fall einen Besuch wert – strahlend weiße Klippen, Bäume, die sich waghalsig an die Kante krallen und tief unten das Meer.

Die Kreidefelsen leuchteten in einem strahlenden Weiß bei dem schönen Sonnenschein, den wir schon wieder hatten. Den ganzen Rundgang gaben wir uns jedoch nicht, vor allem nicht die Treppen bis hinunter zum Meer – hundert Höhenmeter machen wir lieber per Liegerad, mit dem so was zumindest bergab viel leichter geht.

Auf der Südseite der Insel radelten wir zurück. Dort befanden sich zwei besuchenswerte Strände, und auch hier war das Ostseewasser wieder wunderbar. Eine Frittenbude oder einen Spirituosenstand gab es aber auch an diesen Stränden nicht, Dänemark und Malle sind halt schon sehr unterschiedlich.

Einmal noch im Abendlicht südlich um den See rum, dann konnten wir in Stege wieder ein gekühltes Getränk am Hafen genießen. Was selbstverständlich wieder einmal gerade noch rechtzeitig war.

Hafenbierchen in Stege nach vollendeter Møn-Runde

Morgen ziehen wir weiter, es wird die zweitletzte Etappe vor Kopenhagen sein. Sicher auch wieder sehr lohnenswert.

Dänische Land- und Strandpartie

Nykøbing- Stubbekøbing – Hårbølle – Stege 69 km

Ein reich gedeckter Frühstückstisch inmitten von unzähligen Überseereise-Mitbringseln empfing uns an diesem Morgen. Obwohl unser Landlord uns eine etwas spätere Frühstückszeit als sonst abgerungen hatte, waren wir dann aber doch wieder früh back on the road.

Zunächst querten wir die Insel wieder in östliche Richtung. Hier erwartete uns ein größeres Waldgebiet und die Route genau am Wasser entlang. Bis dorthin dann lauschige Landpartie von Hügel zu Hügel mit schneeweißen herausgeputzten Landhäuschen inmitten von goldgelben Stoppelfeldern. Die Landpartie hörte gar nicht auf! Ein Blick auf die Karte zeigte, dass komoot selbsttätig die Route geändert hatte und wir ein wenig nordwärts abkürzte. So kamen wir erst am Ende dieses Waldabschnitts wieder zurück auf die Originalroute. Diese letzten Meter waren aber auch noch sehr schön, direkt am Wasser entlang rollten wir auf schmalem Pfad in Richtung Fähre.

Auch das ist dänische Landpartie: schneeweiße Kirchen. Hier die Fanefjord Kirke, die innen mit wunderschönen Wand- und Deckenmalereien überraschte.

Ida, so heißt die betagte Fährendame, brachte uns von Stubbekøbing nach Bogø. Diese kleine Insel verließen wir gleich wieder ostwärts, um über Damm und winziger Brücke leider auf nerviger Landstraße ohne Radweg auf Montag anzukommen. Dort schlugen wir uns erst mal südwärts, dort war auf der Karten ein Campingplatz und ein langer Streifen Strand angezeigt.

Hårbølle Strand.

Der Strand war großartig, der Wind allerdings kräftig. Außerdem hatten wir inzwischen doch ein Hüngerchen, eine Frittenbude oder irgendetwas Gastronomisches war leider Fehlanzeige. Nach einem Gang ins sehr bewegte recht kühle Ostseewasser brachen wir bald wieder auf.

Die Route auf Montag war ebenso nett wie zuvor auf Falster. Der Wind war ein wenig lästig, aber wir hatten viel Zeit, da die heutige Etappe recht kurz war. Nach weiteren etwa 10 km auf und ab kam der nächste Strand. Der hatte nun etwas Schatten und einen schönen Ausblick auf das erste Stück Steilküste. Hier war es eher steinig, man schlendert dann ja gerne den Blick nach unten gerichtet am Wellensaum entlang, und siehe da – ich fand einen wenn auch kleinen Bernstein.

Noch weitere 10 km gechillte dänische Inselradroute, dann erreichten wir Stege. Auf den ersten Blick naja, aber hatte ich da nicht vor 14 Jahren eine ganz wunderbare Ecke entdeckt? So ein mittelalterlich anmutender Innenhof mit Katzenkopfpflaster und Stockrosen?

Nach Bezug unseres Hotelzimmers etwas außerhalb und nachdem wir wieder im Innern des kleinen Städtchens nach einem Restaurant suchten, hatte ich fast schon vermutet, dass ich das verwechsle, weil wir von einer nicht wirklich hübschen Ecke zur nächsten gerieten. Aber – nachdem wir uns in der hässlichsten Ecke hinter einem Supermarkt herumgedrückt hatte, entdeckten wir diesen Hof wieder – Luffes Gård. Wo wir teuer, aber gut speisten. Und morgen wiederkommen, da wir morgen eine Lokalrunde auf Montag vorhaben.

Hetze bei Hitze

Güstrow – Bützow – Schwaan – Rostock – Überseehafen – Gedser – Nykøbing 95 km

Ein sehr schönes reichhaltiges Frühstücksbuffet leitete unseren Tag ein. Das Hotel war ja dereinst ein Krankenhaus gewesen, in den 30ern des vorigen Jahrhunderts erbaut und die Strenge des Baus war auch heute noch mit der Hotelnutzung durchaus zu spüren. Lange Gänge, auf denen sicher schon viele Krankenbetten gerollt sind. Schnell hatten wir aber auch dieses Hotel wieder verlassen, der Tag sollte noch mal heißer als die zuvor werden.

Schloss Güstrow leuchtete uns heute morgen ins Hotelzimmer.

Güstrow war auch diesen Sonntag früh nicht spektakulärer als es am Vorabend gewesen war. Am Stadtgraben führte die Fernverkehrsroute wieder hinaus aus der Stadt, schnell waren wir wieder auf dem Land. Die erste Teilstrecke führte uns am Güstrow-Bützow-Kanal entlang, der überraschenderweise nach Bützow führte. Der Kanal war aber außer Betrieb, keine Boote oder Schleusen mehr.

In Bützow wurden wir ebenfalls außen am alten Stadtring entlang gelenkt. Viele alte Gebäude, die allerdings sehr oft noch in sehr schlechtem Zustand waren. Ein Lichtblick ergab sich dann aber: ein hübsches rot gestrichenes Fachwerkhäuschen mit einer schattig gelegenen Terrasse im wild zugewachsenen Stadtgraben, auf den ein Pärchen eben frühstückte und wir uns mit ihnen kurz über die schöne Szene freuten.

Schöne Szene mit freundlichen Leuten in Bützow.

Wir fuhren ohne Umschweife weiter. Gestern hatten wir noch diskutiert, wie die Etappe ablaufen sollte, wir wollten ja die Fähre nach Dänemark nehmen, die alle zwei Stunden fährt. 13:30 erschien uns für 64 km von Güstrow eigentlich zu viel. In Bützow aber waren wir schon merklich im Flow, und am Wegesrand gab es nichts, was zum Verweilen eingeladen hätte.

Was sich im folgenden Verlauf auch kaum änderte. Dazu wurde es immer wärmer und die Waldpassagen spürbar seltener. Zum Glück wehte uns ein kräftiger Wind spürbar vorwärts, zwei kleinere Anhöhen hatte der Landstrich noch zu bieten. Weiter und weiter gerieten wir in nördliche Richtung, und außer einem Trinkstopp hier und dort gab es sowieso immer noch nichts, was eine Pause gelohnt hätte.

Im Handumdrehen waren wir dann tatsächlich in Rostock, auch deswegen, weil die Strecke überwiegend hervorragend gerollt war. In Rostock nervten uns noch einige Ampeln, die natürlich immer rot waren und gefühlte Ewigkeiten brauchten, bis sie mal auf grün umsprangen. Aus Rostock muss man dann aber wieder hinaus und auf der Ostseite der Warne noch 10 km bis zum Fährhafen fahren.

Ohne Probleme fanden wir das Fährterminal, wo wir tatsächlich schon für die Fähre 2 Stunden früher pünktlich zur Stelle waren. 64 km bis vor 13 Uhr – das hatten wir vermutlich noch nicht auf Radtour! Tickets gekauft, eingecheckt und wenig später als erste in den Bauch der Fähre gerollt. Zwei Stunden hatten wir jetzt Pause, schön klimatisiert mit Aussicht auf die Weite der Ostsee und mit Krabbenbrötchen.

Bei der Ankunft in Dänemark – auf der Insel Falster – wurden wir sofort von der Polizei kontrolliert, wenn wir aus einem Risikogebiet gekommen wären, hätten wir vermutlich sofort wieder umkehren können. Vorgebuchte Übernachtungen wollte der freundliche Polizist aber nicht sehen, das hatten die Dänen kurz zuvor aufgehoben.

Der Wind strammer, die Temperatur erträglicher, die Stoppelfelder intensiver goldgelb. Offensichtlich war die Trockenheit nicht ganz so prekär wie wir sie zuletzt erleben mussten. Ca. 20 km waren es noch bis in unseren Zielort Nykøbing, die wir allerdings noch um einen Badeabstecher an die Ostseite der Insel erweiterten. Falster hat ja an der Ostseite quasi nur einen Strand – die ganze Länge der Insel, so ca. 60 km. Ein wunderbarer Sandstrand und das Wasser der Ostsee richtig warm. Großartig.

Gedesby Strand. Fast menschenleer.

Die letzten ca. 20 km bis zum Ziel zogen sich noch etwas, aber schlussendlich waren wir im warmen Abendlicht, was schön über der Meerenge zwischen Lolland und Falster glitzerte, angekommen. Unsere Unterkunft hier ist ein schönes Bed and Breakfast direkt am Strandboulevarden, gelegen. In Gesellschaft eines kühlen Getränks konnten wir vor dem Haus die Sonne bei ihrem Untergang begleiten.