Resümee 

Heute war nichts mehr an Strecke übrig. Der ursprüngliche Plan wäre ein fauler Tag am sonnenverwöhnten Strand gewesen. Leider stellte sich der Strand auch heute nicht als sonnenverwöhnt heraus, wenn auch die Niederschlagsprognosen gegenüber dem Vortag um einiges entschärft schienen.

Was also tun, wenn man einen Tag im ziemlich uninteressanten Hendaye übrig hat? Den Zug nehmen und ihn im ziemlich interessanten San Sebastian verbringen. Was sich als sehr lohnenswert herausstellte.

San Sebastian ist neben der Tatsache, momentan europäische Kulturhauptstadt zu sein, mit Sicherheit die Hauptstadt der schmiedeeisernen Balkone. Eine sehr schöne Stadt, überschaubarer Verkehr, viele Radfahrer und Fußgänger und eine exzellente Gastronomie zu sehr fairen Preisen. Wir könnten also noch mal spanische Gastfreundschaft genießen.

In San Sebastian – schmiedeeiserne Balkone, einer kunstvoller als der nächste


Rückblickend auf die Tour ist das einer der Aspekte, die Spanien zu einem sehr angenehmen Radtourenland machen. Man findet fast überall zumindest eine Bar für eine Kaffeepause, und meistens bekommt man obendrein ein stärkendes Bocadillo manchmal gigantischen Ausmaßes zu sehr fairen Preisen. Auch abends essen gehen war immer gut und bezahlbar. Genau so waren die Übernachtungsmöglichkeiten: Zumeist in sehr gutem Zustand mit netten Leuten und ebenfalls zu fairen Preisen.

Was den Radfahrer aber besonders freut, ist der vorsichtige und verantwortungsvolle Umgang mit ihm. Auf allen etwas stärker befahrenen Straßen fühlten wir uns immer sicher, da fast alle Auto- und LKW-Fahrer sehr rücksichtsvoll überholten. Und dann gab es haufenweise Sträßchen, auf denen so gut wie gar nichts los war, Radlerparadies immer wieder.

Die Landschaft war immer wunderschön und sehenswert. Die Orte hatten meistens pittoreske Zentren mit vielen sehr gut renovierten Häusern.

Alles in allem ein rundum gelungener Radurlaub, den ich mit Graham sehr genossen habe. Nach Spanien werden wir sicher wieder kommen!

Fürchterlich feuchtes Finale

Elizondo – Hendaye 61 km

Ein allerletzter Pass, der diesen Namen auch nur annäherungsweise verdiente, war auf dem Weg zum Atlantik zu überwinden. Der Puerto de Otxondo wird trotz seiner nicht wirklich aufregenden Höhe von ca . 600 m sogar auf quaeldich.de erwähnt. Für unsere geübten Beinmuskeln aber kaum der Rede wert. Ohne Probleme kurbelten wir an diesem Vormittag hinauf. Auffällig viele Pferde gab es in diesem Tal, und auffällig viele von diesen lagen faul auf ihrer Weide herum.

Es folgte ein sehr erbaulicher Downhill. Nie besonders steil und meistens auf guter Straße. Am Ende lag die Grenze zu Frankreich. Was man kurz davor heftigst bemerkte, da plötzlich riesige Shopping-Center rechts und links der Straße auftauchten. Offensichtlich haben die Spanier eine weitaus geringere Mehrwertsteuer als die Franzosen, weswegen diese lieber literweise Bezin in ihren Autos verbrauchen, um hier her zu fahren.

Die meisten dieser Einkaufszentren waren eher von der modernen Outlet-Center-Sorte, aber auch offensichtlich seit langem eingeführte Läden waren darunter, in denen man vom Garten-Wildschwein bis zum 100-l-Kochtopf alles haben könnte, was man sich vorstellen kann. Im selben Etablissement war auch eine Bar. Wir hatten dort den ersten Kaffee des Tages und ein letztes spanisches Schinkenbocadillo.

Hier bekommt man mit Sicherheit alles, was man irgendwie brauchen kann.


Nun waren wir also wieder in Frankreich. Was man sofort merkte: die Straße war schmal, der Verkehr stärker, die Autos überholten oft viel zu knapp. In Sare kehrten wir noch einmal ein, es hatte gerade zu regnen begonne, und man hofft ja immer, dass der Schauer bald vorbei ist. Sare ist ein sehr hübsches Dorf und wir fanden ein sehr hübsches Café, in dem Bio gekocht wurde. Es gab Süßkartoffelsuppe, sehr schmackhaft. Und fünf verschiedene Sorten Kaffee, die in drei Milchvariationen und zwei Größen zu bekommen waren, was eine unglaubliche Anzahl von 30 verschiedenen Kaffeevarianten ergibt. Nur, dass der Kaffee an sich etwas schwächlich auf der Brust war, ist sicher dem „Bio“ in diesem Café geschuldet.

Ein weiter wirklich winziger Pass war noch zu überqueren, gerade mal etwas mehr als 100 Höhenmeter waren zu überwinden. Beeindrucken aber die Schilder für die Radfahrer, die für jeden Kilometer die jeweilige Steigung angaben. Das unangenehmste er jedoch der deutliche Regen, der genau auf der Passhöhe einsetzte und der uns bis zum Schluss begleiten sollte.

Im strömenden Regen erreichten wir St-Jean-de-Luz. Von hier aus waren weitere 10 km an der Küste zurückzulegen, der sogenannten Corniche. Eigentlich ein sehr schöner Abschnitt mit eindrucksvollen Klippen. Aber es schiffte wie blöd, ein kräftiger Wind kam von vorne, es ging immer wieder unangenehm die Klippe rauf und es war richtig ätzend viel Verkehr, in dem wir viel zu oft sehr knapp überholt wurden. Nicht wirklich das Highlight meiner Radtourengeschichte.

Nachdem wir noch gefühlt stundenlang in Hendaye lästig bergauf und bergab gegurkt waren, fanden wir endlich den Bahnhof und das Hotel de la Gare, was ich wegen der praktischen Nähe zum Bahnhof ausgesucht hatte. Jetzt hoffen wir bloß, dass unsere Heimfahrt nicht zu sehr durch den just am Mittwoch beginnenden Streik in Mitleidenschaft gezogen wird. 

Atlantik. Angekommen.

Im letzten Gebirge

Jaurriete – Elizondo 88 km

Ups, das Wetter hatte sich grundlegend geändert. Am Vorabend gab es einen kräftigen Gewittersturm und danach war das Sommerwetter zunächst passé. Das merkten wir heute morgen, als wir bei etwa 10° losfuhren. 

Einsam ging es in unserem Übernachtungsort so gar nicht zu. Haufenweise Youngsters mit bunten Lycraklamotten und coolen Mountainbikes strömten ins Dorf ein. Hier fand heute ein MTB-Rennen statt und offensichtlich startete morgens zuerst die Jugend. 

Dann aber weiter über ruhige Straßen. Immer ein wenig auf und ab heute, mal mit deutlicherem Hügel, mal mit weniger Bergauf.Ein gutes Stück des Weges führen wir auf der N135, die von Roncesvalles nach Zubiri führt. Genau hier entlang führt auch die populärste Route des Jakobswegs, was wir nicht nur an den zahlreichen übergroßen Markierungen feststellen konnten. Auch mehr oder weniger pilgernde Wandersleute waren haufenweise unterwegs. Es fühlte sich zum Teil schon ein bisschen wie Uferpromenade Samstag Nachmittag an.

Das „Aushängeschild“ einer Pilgererherberge


Auf dem Erro, einem der kleinen Pässchen des heutigen Tages, fand sich ein Kiosk, der nebst kräftespendendem Kaffee auch Bananen verkaufte. Die Pilgerer könnten hier Ihren Stempel abholen. Vielfältigste Nationen waren vertreten, ich plauderte hier ein wenig Schwedisch, dort ein wenig deutsch und gemeinsam plaudernd mit Graham fanden sich auch englischsprachige Pilgerer. 

Ein Schauer machte sich mit kräftigem Wind bemerkbar. Wir versuchten, ihm auf dem Downhill zu entkommen, was aber nur teilweise gelang. Zwar kräftig, aber zum Glück nur kurz erwischte es uns.

Nach Zubiri führte die Route wieder nordwärts. Ein letzter deutlicher Hügel stand im Weg, ein Pass, der gerade mal so nicht die 1000 m schafft. Zuerst führte eine sehr ruhige Straße zwar regnerisch aber wunderschön friedlich an einem Stausee entlang. Irgendwann zweigte ein noch ruhigeres Sträßchen ab und wie als hätte jemand einen Schalter umgelegt, kam plötzlich die Sonne raus und der blaueste Himmel, den man sich vorstellen kann, zum Vorschein. Sehr lauschig ging es durch das gemütliche Tal, in dem im Buchenwald der Bergbach munter plätscherte. Immerhin bescherte uns das regnerische Wetter eine angenehme akustische Untermalung.

Die letzten zwei Kilometer bis zur Passhöhe waren dann wohl die steilsten, die diese Tour gesehen hatten. So eben bekam ich das in meinem kleinsten Gang noch pedaliert, ohne dass mir der Puls explodierte. Aber was für ein lohnenswerter Aufstieg! Kurz vor der Passhöhe öffnete sich der Wald und tiefgrüne Berghügel türmten sich rechts und links vom Sträßchen vor dem immer noch tiefblauen Himmel auf. Das fühlte sich absolut nach hohem Gebirge an. Und ein kilometerweiter Blick auf die umliegenden Hügel begleitet von einem beständigen Dingeling der auf den Bergwiesen weidenden Tiere. Nicht nur Kühe, die Pferde hier tragen übrigens auch Glocken.

Am Puerto de Artesiaga, 984 m


Zum Schluss des Tages ein Monsterdownhill, der uns auf einer Strecke von 15 Kilometern fast 800 m tiefer brachte. Dauersteil, das hätte ich nicht wirklich hinaufkurbeln wollen. Der Zielort Elizondo ein sehr aufgeräumtes baskisches etwas größeres Dorf mit hübschen weiß verputzten Steinhäusern. 

Auf Wiedersehen, Aragón

Hecho – Jaurriete 75 km

Der Tag begann, wie der Vortag geendet hatte. Rüber über den Rücken und auf der anderen Seite ab ins nächste Tal. Dazwischen verträumte Bergdörfer. Ein derartiges Pässlein war noch komplett innerhalb Aragón. Am nächsten Pässlein warteten enorme Schilder auf uns, die uns unmissverständlich mitteilten, dass wir uns ab jetzt in der Provinz Navarra im Baskenland befänden.


Die Straße wurde auch gleich besser. Und der erste Eindruck, als wir in das Roncal-Tal kamen: Schweiz pur. Bergwiesen, Kühe mit dieser speziellen gemütlich braunen Außenfarbe und alles wunderschön aufgeräumt und sauber. Auch die architektonische Ausgestaltung der Häuser erinnert sehr an zum Beispiel Graubünden. Bloß, dass wir weiterhin mit Euros zahlen konnten, was aber auch gut ist. Und die Sprache ist weiterhin meistens Spanisch. Alle Schilder und Aufschriften sind aber auch auf Baskisch. Diese Sprache mit viel „tx“ und „tz“ am Ende der Worte erinnert so an gar nix, am entferntesten scheint sie noch dem Klingonischen zu ähneln.

Wir verließen das Roncal-Tal, um im nächsten verfügbaren Tal wieder gen Norden weiter zu fahren. Wieder ein sehr gemütliches kleines Nebensträßchen, hier allerdings mit sehr rütteligem Asphalt. Am Ende des Tals lag ein Dorf – Vidángoz, was wir mit Mittagspausenhunger erreichten. Ob es hier mehr als einen Zigarillo gäbe? Ja, eine Bar mit Bocadillo-Service war am Platz und der nette Mensch, den ich gefragt hatte, hatte die Barista schon auf unseren Hunger vorbereitet. Wir bestellten Schinken-Bocadillo. Wenig später kam die nette Frau Barista mit den längsten Schinkenbrötchen, die ich mir überhaupt vorstellen könnte, zurück. Gefühlt hatte jeder von uns einen halben Meter vor sich. Das Brot war frisch und gut, der Schinken kross angebraten und der hungrige Radlermagen außerordentlich effizient gefüllt, als wir uns beide zum Ende durchgebissen hatte.

Danach wieder das bekannte Schema: Bergrücken und Übergang ins nächste Tal, das Salazar-Tal. Heute auch wieder recht warm und schwül, aber ein freundlicher Wind begleitete uns und schob uns so manches Stückchen.

Der freundliche Wind schob uns weiter in dieses Tal hinein. Eine Tankstelle bot uns die gesuchte Landkarte für die letzten Etappen und ein Eis, was wir stilecht auf dem Randstein neben der Zapfsäule im Schatten sitzend vernichteten.

Danach wäre eigentlich ein geeigneter Etappenzielort auf dem Weg gelegen, aber es war eigentlich noch zu früh und trotz drei absolvierten Monsterhügeln waren die Schinkenbrote noch nicht ganz durch.

Man sollte meinen, dass sich der Tag jetzt unspektakulär zur Ruhe legen sollte. Aber weit gefehlt, es passierten durchaus noch außergewöhnliche Dinge! Zunächst stellten wir fest, dass wir inmitten eines Ausflugs eines lokalen Porsche-Clubs gelandet waren. Die letzten zwei Kilometer wir unserem letzten Abzweig würden wir zahlreich unangenehm laut von zahlreichen dieser Automobile überholt. Schön war dann allerdings, dass am letzten Abzweig Polizei stand und den Korso aufhielt und wir mit süffisantem Grinsen an einigen Vertretern dieser Zunft wieder vorbeifuhren. 

Den Grund des Polizeiaufgebots erfuhren wir, als wir unsere letzten 5 Bergauf-Kilometer eben rum hatten. Immer noch mehr Polizeimotorräder tauchten auf der Gegenspur auf. Ein motorradfahrender Polizist hielt uns schlussendlich auch zurück und murmelte etwas von „Vuelta Navarra“. Und siehe da, wir waren mitten in ein zumindest lokal bedeutendes Radrennen  geraten und standen just am Ende einer deutlichen Bergwertung. Haufenweise Helden in buntem Lycra hasteten vorbei nebst Tross aus Begleitfahrzeugen. Die recht große Anzahl an Radlern wies auf eine nicht unbedeutetende Veranstaltung hin.


Darüberhinaus findet in unserem Übernachtungsort morgen ein Mountainbikerennen statt. Im Restaurant, in dem wir eben verköstigt wurden, saß ein ganzes Paket sowohl von Mountainbikern als auch von den bunten Rennradhelden des Nachmittags. Darunter offensichtlich sogar der Gewinner der ersten Etappe. Was für eine Radlerparty!

Täler

Sabinanigo – Hecho 70 km

Eigentlich war hier je endlich mal ein ost-westlich verlaufendes Tal. Eigentlich sah die ursprüngliche Planung eine steigungsarme deutliche Verlagerung nach Westen vor. Allerdings erwies sich die geplante Autobahn leider als noch nicht fertiggestellt und die Alternative, zusammen mit dem ganzen Verkehr, den wir am Vorabend schon erfahren hatten, auf der N330 nach Westen zu fahren, als nicht wirklich erstrebenswert.

Deswegen führte ums die ungeplante Route heute weiter nach Norden und damit ein Stück weit näher an hohe Berge hin. Was zum einen deutlich spürbares Gehügel zur Folge hatte, zum anderen aber auch wieder schöne und zum Teil dramatische Gebirgslandschaften.

Schnell hatten wir das unglaublich unansehnliche Sabinanigo verlassen. Wir mussten einen kleinen Gebirgsrücken südlich von diesem Ort überqueren und fanden uns in einer anderen Welt wieder: keinerlei Verkehr und Landidylle. Einzig die zahlreich vorhandenen Strommasten zeugten von einer sehr viel industrielleren Realität jenseits des nun rechts von uns befindlichen schmalen Rückens.

Bald war Jaca erreicht. Von außen sah dieser Ort genauso gesichtslos wie der vorhergehende aus: Appartementblocks, soweit man sehen könnte. Wir mussten aber sowieso durch und planten einen Kaffeestop. Und siehe da, hier war sie wieder, die schön restaurierte Altstadt mit Kirche und Steinhäusern und Arkaden. Sehr schön hier.


Mit launigem Auf und ab auf ruhigem Sträßchen schwenkten wir nordwärts ins übernächste Tal. Zunächst schön flach, gegen Mittag dann mit fiesen Rampen in voller Mittagssonne erreichten wir Aisa. Ein richtiges Bergdorf. Im dortigen Casa rural bekamen wir einen Salat nach Art des Hauses mit Nudeln und Kartoffeln (also genau richtig für Pyrenäenkletterei) und trafen auf eine Gruppe Wandersleute mit knallorangenen GR15-T-Shirts. Fühlte sich schon sehr nach Hochgebirge an. 

Ein kleiner Pass führte ins nächste Paralleltal. Wunderbar warm, das… Er schenkte uns aber um einiges mehr Downhill als wir zumindest nach dem Mittagessen in Uphill investiert hatten. Dann wieder ein Tal runter und ins nächste mit hübschem Rückenwind rauf. Relativ früh erreichten wir Hecho. Dies sollte unser Zielort bleiben, da hier erst einmal wieder ein kleiner Pass zu überqueren ist.

Fast häufiger als sonstige Verkehrsteilnehmer: friedliche spanosche Kühe


Ein richtig schönes Berdgdorf mit fast ausschließlich alten Steinhäusern. Quasi verkehrsfrei. Wir fanden ein sehr schönes Zimmer mitten im alten Dorf. Und ein hervorragendes Restaurant.. Toller Ort, super Zimmer, gigantisch gegessen, tolles Wetter, schöne Etappe. Was kann man mehr wollen?

Einsam

Aínsa – Sabinanigo 82 km

Ein Berg. Rauf und laaaang wieder runter. Auf absoluter Nebenstraße. So der heutige Plan.

Die heutige Route begann in der gleichen Richtung, wie die gestrige geendet war. Wir wollten allerdings nicht wie am Vorabend die Hauptstraße nutzen, sondern hatten uns von komoot eine Route auf der anderen Seite des Flusses für die ersten 10 km berechnen lassen. Oh je, zum ersten Mal schlug das allerdings fehl – die Feldwege waren wirklich nicht mehr fahrbar, die die Dame von komoot berechnet hatte. Das hieß, zweimal ein paar Kilometer zurück und im einen Fall einen deutlichen Hügel mehr hinauf. Und schlussendlich landeten wir für das letzte Stück vor dem Abzweig in die Einsamkeit doch wieder auf der Hauptstraße.

Dann aber zweigte die Nebenstraße nach Süden aus dem Tal heraus ab. Und ging gleich ganz schön zur Sache, also von wegen aus dem Tal heraus. Die Einsamkeit wollte erarbeitet werden. 

Am ersten gefühlten Gipfel  – also als die bisherige Dauersteilheit deutlich nachließ – fand sich ein pittoreskes Steinhäuserdorf wie immer auf einem noch höheren Hügel. Doch außer einem Hund, der uns enthusiastisch begrüßte (endlich was los hier) gab es nicht mal jemand, der uns einen Zigarillo anbot. Dafür ein lauschiges Plätzchen mit gemauertem Steinbänkchen um einen Brunnen.

Kein Dorfplatz, aber immerhin ein Steinbänkchen


Nach ein wenig weiterem auf und ab erreichten wir die Passhöhe des Puerto der Sarrablo, mit ordentlichem Schild. Ohne das so ein Hügel ja nur der halbe Spaß ist. Die ganze Fahrt hinauf waren uns vielleicht fünf Fahrzeuge begegnet. 

Nun folgte eine sehr aussichtsreiche Strecke auf dem Kamm. Berge zur Linken und zur Rechten, sehr schön. Und bevor wir am Fluss Guarga wieder ins Tal hinabrollten, fanden wir tatsächlich ein Dorf mit Kaffeemaschine und Toaster und jemandem, der uns für ein paar Euro diese Geräte in Funktion setzte.

Kammstraße vor dem Puerto del Sarrablo


Am Fluss Guarga rollten wir ca. 30 km aufs angenehmste immer leicht bergab durch eine wenn auch weniger spektakuläre Schlucht. Immer noch ohne jeglichen Verkehr, auch Ansiedlungen sind sehr rar in dieser Gegend. Als erstes Zeichen der Zivilisation nahmen die Recycling-Container am Straßenrand zu. Und kurz nachdem wir unter einer gerade im Bau  befindlichen Autobahnbrücke mit knallgrünen Pfeilern (die wohl schon fertig waren) hergewollt waren, erreichten wir unser finales Tal. Hier waren wieder ein paar Kilometer Nationalstraße geboten, dieses Mal mit heftigem Lastwagenanteil. Erst kurz vor unserem Zeilort schwappte der ganze Verkehr auf eine brandneue Autobahn, die wir hochkonzentriert nicht anführen, sondern auf der ab dann sehr ruhigen Hauptstraße blieben und kurz darauf unseren Zielort Sabinanigo erreichten.

Im Guarga-Tal


Der übrigens unglaublich unpittoresk ist. Es ist wohl ein Ort, in dem sich im Winter viel Skitouristen sammeln, und der deswegen haufenweise zweckmäßige Hotels und Appartementbauten enthält. Einen alten Ortskern fanden wir hier gar nicht. Dafür ein sehr schickes Hotel und ein weniger schickes Restaurant, in dem wir allerdings für extrem wenig Geld sehr gut aßen.

Cañon

Aínsa – Cañon de Añisclo – Sarvisé – Aínsa 87 km

Noch eine Lokalrunde. Wir haben mehr Zeit als die Pyrenäen nach Westen ragen. Und Aínsa ist einen doppelten Aufenthalt auf jeden Fall wert – das Hotel ist toll und das mittelalterliche Ambiente der Plaza Mayor unschlagbar.


Die Runde führte zunächst nach Norden. Annabelle und Georg – zwei deutsche Motorradfahrer, die wir schon am Vortag zufällig kennengelernt hatten und die zufällig im selben Hotel wie wir logierten – empfahlen uns wärmstens diese Schlucht. Sie seien mit dem Motorrad auch nicht schneller was wir mutmaßlich mit den Fahrrädern vorangekommen, so viel wunderbare Plätze mit spektakulären Aussichten seien geboten. Und sie versprachen nicht zu viel. Kilometerlang wand sich ein winziges Sträßchen durch engste Felsen, immer wieder flankiert rechts und links durch meterhohe teilweise überhängende Felswände. Tief unten rauschte der grüne Gebirgsbach. Und wo die Standardschlucht sich nach wenigen Kilometern wieder zum normalen Tal weitet, wurde dieser Canyon gefühlt immer noch enger und spektakulärer. Selbstredend wieder fast verkehrsfrei, die meisten Autos waren offensichtlich selbst mit touristischen Absichten unterwegs. Ein Höhepunkt unserer Tour!

Canon de Anisclo


Jede Schlucht hat allerdings irgendwann ein Ende und das unsrige sah noch ein Portiönchen Höhenmeter auf durchaus hin und wieder steilen Kehren vor. Von weitem sah man schon ein eindrucksvolles Dorf wie immer auf einem Hügel, das tatsächlich die „Passhöhe“ markierte. Es wäre mal wieder Zeit für eine Kaffeepause gewesen, also nahmen wir die vorhersehbaren wenige Extra-Höhenmeter in Angriff und erkundeten dieses Gipfeldorf. Leider Fehlanzeige, keine Bar oder ein Café am Platz. Das einzige, was zu bekommen war, war der Zigarillo, der uns von einem sehr netten offensichtlich einheimischen Menschen angeboten wurde, den wir jedoch dankend ablehnten. Nun gut, dann eben 12 km Downhill bis zum nächsten Dorf.

Wo es einen Pferdehof und ein kleines Restaurant gab, in dem wir ein wohlverdientes Omelette-Sandwich bekamen, bzw. ein bocadillo con tortilla francesa. 

Danach waren 40 km und einige Höhenmeter übrig. Diese verteilten sich sehr gleichmäßig – also ein stetiger 40-Km-Downhill! Das freut das Radlerherz und wir hauten die 40 km weg wie Rakete. Um wieder in diesem wunderschönen Aínsa zu enden, wo wir erneut ein hervorragendes Abendessen mit wundervoller Aussicht auf den Stausee bekamen. Auch das wieder solch ein schwer zu tippender Boah-Ey-Tag!