Zum Schluss

Büderich – Duisburg 39 km

Die Nacht in der geschichtsträchtigen „Wacht am Rhein“ war zwar relativ ruhig, statt Straßenverkehr hat man jedoch regen Rheinkahnverkehr direkt vor dem aussichtsreichen Fenster. Geschichtsträchtig, weil genau in diesem Haus dereinst am 25.3.1945 Feldmarschall Montgomery sowie Premierminister Churchill und Präsident Eisenhower den Übertritt der alliierten Streitkräfte über den Rhein vom Balkon des Hauses beobachteten.

Terrasse und Aussicht der „Wacht am Rhein“

Bei schönstem Sonnenschein nahmen wir die letzten Kilometer am Rhein entlang unter die Räder. Erstaunlich lange durch viel Natur direkt am Deich, obwohl immer mehr Kühltürme, Schornsteine und Stahlrohre die intensive industrielle Nutzung weiter Flächen dieses Landstrichs anzeigten.

In einem unprätentiösen Vorort von Duisburg fanden wir ein ebenso unprätentiöses aber sehr nettes Café, in dem wir die letzte Snackpause der Radtour zelebrierten. Dann ging es noch ein paar Kilometer immer noch durch erstaunlich viel Grün, bis wir – selbstverständlich auf eigener Spur – über die Autobahnbrücke auf die andere Rheinseite nach Duisburg downtown gelangten.

Kurz vor Duisburg. Über die Brücke mit der beeindruckenden Spannkonstruktion verläuft Autobahn und Radweg.

Hier gibt es zwar auch Radwege, sie sahen aber in der Regel eher bemitleidenswert aus. Radfahrer scheinen hier ein Nebenphänomen zu sein. Der Haupbahnhof war auch so gut wie gar nicht radwegmäßig ausgeschildert, mit Komoot fanden wir dann aber doch ganz gut dorthin.

Wir nahmen ziemlich sofort einen der zahlreichen Züge nach Düsseldorf, von dort sollte unsere gebuchte Rückreise starten. In Düsseldorf konnten wir noch angenehm auf der Piazza sitzen und die dortige Gastronomie testen, bis wir wieder in den megabevölkerten Hauptbahnhof zurück radelten und problemlos unseren ICE enterten.

Nach Deutschland

Ooij – Millingen – Grieth – Xanten – Büderich 85 km

Was für ein wunderschöner sonniger Morgen am Deichpolder in Ooij. Im lichtdurchfluteten nostalgisch anmutendem Frühstücksraum wurde das Frühstück handserviert. Wir wurden mit offensichtlich hausgebackenen frischen Brötchen und einen reichhaltigen bunten Teller verwöhnt. Oortjeshekken ist auf der Rangliste der besten Übernachtungsstätten ein ganz heißer Kandidat.

Der Radweg auf dem Rheindamm war direkt vor der Haustür, wir fanden also gleich den Weg weiter in Richtung Heimat. Die Sonne zeigte sich schon beinahe unverhüllt, die Luft war allerdings schon herbstlich frisch.

Meistens auf dem Rheindeich flogen wir die erste Zeit so dahin. Die Gegend immer noch sehr gemütlich, auch wenn ab und zu meistens auf der anderen Rheinseite Industrie ihre Schornsteine hinaufstreckte. Laubbäume, Weiden mit Kühen, Schafen oder Pferden (wir sahen sogar halbwilde) und hier und da eine Kirchturmspitze addierten sich zu abwechslungsreichen Bildern, die wir passierten.

Mooi. Weil eben noch in Holland.

Etwas getrübt wurde die gute Laune durch zwei Baustellen auf dem Deich und damit dem Radweg. Wie in Deutschland üblich mit maximal halbgarer Umleitungsinformation und auf jeden Fall einigen Extrakilometern zum Teil an eklig lauter Bundesstraße. Sonst wäre alles ja auch zu idyllisch gewesen.

In Grieth fanden wir einen Dorfplatz mit Dorfladen und kleiner Gastronomie. Grieth war allerdings tatsächlich dereinst veritable Hansestadt, inzwischen ist doch ziemlich die Ruhe eingekehrt. Landestypisch snackten wir Mettbrötchen und Bockwurst, war ja auch schon wieder Mittag geworden. Danach schon wieder Baustelle. Dieses Mal wenigstens ohne Bundesstraße, dafür wieder ein Extrahaken, dessen Verlauf wir selbst rausfinden mussten.

Der Dorfplatz oder Hansestadtplatz in Grieth

Der nächste Anlaufpunkt war Xanten. Hier waren ja noch weit vor der Hanse die Römer groß im Geschäft. Deswegen hat man einen archäologischen Park eingerichtet mit den Ausmaßen der einstigen römischen Stadt, was ein beeindrucken großes Gelände war. Bauten verschiedener Typen waren rekonstruiert und konnten besichtigt werden. Der Eindruck war allerdings etwas steril und angestaubt.

Eine Ecke des rekonstruierten Hafentempels. Der Hafen war bei den Römern noch dort, heute ist da nur noch der Parkplatz

Dann fanden wir noch einen direkt am Rhein gelegenen sonnigen Biergarten, wo wir das mit der täglichen Nahrungsaufnahme gleich erledigten. Die „Wacht am Rhein“ hatte ein Zimmer frei für uns und nach letzten etwa 15 Kilometern in schönster Abendsonne fanden wir unser Quartier. Von unserem Zimmer können wir perfekt die Rheinschifffahrt überwachen, Wacht am Rhein eben.

Am Rhein

Um Nijmegen, ein paar Kilometer

Eines der Ziele der Reise war ja ein Besuch bei elan in Nijmegen (hier werden die feinen Challenge-Liegeräder gebaut). Und wir mussten natürlich zu handelsüblichen Öffnungszeiten da sein. Obendrein wäre die ganze Strecke nach Nijmegen doch sehr ehrgeizig gewesen, was der Komfort-und genussorientierten Ausrichtung der Reise doch sehr entgegen stand. Nicht zuletzt zeigte sich der Himmel in Goes heute morgen wolkenverhangen, sodass wir die Wölfe in die Bahn packten und uns nach Nijmegen fahren ließen.

Bei der Bahnfahrt wieder eine der netten Begegnungen, die man auf einer Bahnreise eben haben kann (und nur auf Bahnreisen!) – Iris aus Middelburg. Sie war mit der Bahn unterwegs nach Italien, ihr erste Station war ebenfalls Nijmegen, da sie dort Familie hat und erwartet wurde. Ihre Reise sollte mit dem Rad nach Kleve weitergehen, mit dem Zug nach Düsseldorf und von dort gibt es einen Nachtzug nach Innsbruck. Hier kann man dann mit Bahn und Rad bis nach Verona weiter, und sie plante, in die Toskana weiter zu radeln. Man bekam sofort Lust, mitzukommen.

So verging die Bahnfahrt plaudernd wie im Flug (!) und schon waren wir in Nijmegen. Dort fuhren wir zunächst zu dem gewünschten Liegeradspezialisten. Wo wir zuerst ziemlich allein gelassen waren, irgendwann gesellte sich dann aber doch ein Mitarbeiter von Challenge zu uns und ich konnte ein paar Modelle probesitzen.

Probefahrt einer federleichten Carbonfeile.

So langsam wurden wir einander warm und irgendwann fragte er uns, ob wir den brandneuen Carbon-Leichtbau-Prototypen ausprobieren wollen, der vor uns gerade mal drei Fahrer gesehen hat. Mir war er etwas zu groß, aber Swen setzte sich mal drauf und fuhr ein paar Meter. Breit grinsend kam er zurück und dann probierte ich das Teil doch selbst aus. Mit ausgestrecktem Bein bekam ich es hin, und fühlte sich wirklich sehr schnell an. Auf der anderen Seite bewunderte unser Challenge-Mann unsere Wölfe, die er wohl auch noch nicht gesehen hatte.

Der Rhein bei Nijmegen. Der hier ja Waal heißt

Dann nutzten wir das inzwischen schöne Wetter, um ein paar Kilometerchen am Rhein zurückzulegen. Sehr schnell ist man komplett aus der Stadt heraus und der Weg verläuft meistens aussichtsreich auf der Deichkrone entlang. Wir fuhren ein Stück Richtung Nordsee bis zur nächsten Brücke – ein Riesending mit Autobahn aber auch komplett komfortabler separater Fahrradspur, um dann wieder auf der östlichen Rheinseite nach Nijmegen zurückzufahren.

Der große Marktplatz in Nijmegen.

Dort zogen wir noch ein paar Besichtigungskreise in der Innenstadt. Auch hier wieder beeindruckende große alte Gemäuer, aber offensichtlich auch viel Verluste durch den Krieg, die mit den auch bei uns üblichen Zweckbauten ersetzt worden waren. Nach einem sonnigen Radler auf dem großen Marktplatz rollten wir wieder aus der Stadt hinaus. Dieses Mal ein paar Kilometer, wo das wunderbare Hotel-Restaurant Oortjeshekken auf uns wartete. Ein wunderschön erhaltenes Deichhaus, was seit dem 17. Jahrhundert Gäste empfängt und versorgt.

In hübschen Orten

Renesse – Veere – Middelburg – Goes 75 km

Wir hatten unsere etwas frische Nacht im Zelt offensichtlich überlebt. Man hatte uns mit guten Bettdecken ausgerüstet, so dass die Gefahr doch sehr überschaubar war.

Wir überquerten ein letztes Mal einen Damm mit einem gewaltigen Sperrwerk. Und hatten die letzten Kurven durch den Dünengürtel. Dafür war heute eine megasteile dabei, die wir beide schlussendlich hinaufschoben. Oben eröffnete sich aber ein wunderbarer Blick – ein letztes Mal – auf die Nordsee und prächtigen Sandstrand.

Steile Düne, toller Blick

Es ging jetzt wieder durchs Landesinnere. Wir fuhren mal wieder Fähre über das Veersemeer. Ein offensichtlich extrem beliebter Flecken, Die Fahrräder waren fast gestapelt und wurden vom Käpten generalstabsmäßig organisiert ein-und ausgeladen.

Auf der quirligen Piazza in Veere

Auf der anderen Seite erreichten wir Veere. Der erste der hübschen Orte, viel schöne alte Gemäuer. Und ein Eis auf der Piazza.

Dann war nur noch ein kleines Sttück bis nach Middelburg zurückzulegen. Auch hier wieder: Kloster, viele schöne Häuschen und die beeindruckende Fassade des Rathauses. Genauso prächtig wie das Stück Apfelkuchen, das es direkt nebenbei gab.

Middelburg. Auch so hübsch.

Der letzte Schlag führte uns in das kleine Städtchen Goes, „chus“ wird das ausgesprochen. Eine gewaltige Kirche steht hier, wir schauen aus unserem Hotelzimmer direkt auf diese. Und hier ebenfalls: die typische gemütliche Ansammlung hübscher Häuser aus dem 17. bzw. 18.Jahrhundert. Hübsch, eben

Im Wind

S’Gravenzande – Hoek van Holland – Rockanje – Stellendam – Renesse 65 km

Der herzliche Empfang von gestern abend setzte sich mit einem ebenso herzlichen und reichhaltigen Frühstück fort. Gemütlich plaudernd saßen wir mit unseren Gastgebern am großen Esstisch.

Daher wurde es wieder etwas später. Dennoch legten wir eine kleine Shoppingrunde ein, Handschuhe und Dichtmilch hatten gefehlt. Deswegen wurde es nach elf Uhr, als wir endlich den richtigen Pier in Hoek van Holland gefunden hatten. Der nächste Katamaran auf die andere Seite fuhr denn auch erst nach 12. So verbummelt sich schon mal ein halber Tag.

Die Überfahrt war allerdings schon mal das erste Highlight des Tages. Der „Schaffner“ Barry nutzte die Überfahrt als Bühne und präsentierte uns eine unterhaltsame Show. Er parlierte mit allen anwesenden Nationen in den jeweiligen Landessprachen ein paar Worte und erfand für jeden ein neues Tarifsystem. Außerdem zeigt er uns faul auf der Sandbank liegende Seehunde, für die er auch gleich Gebühren kassieren wollte.

Bester Fährechef ever. Was für ein Vergnügen.

Einige Kilometer mussten wir Hafengebiet durchqueren, nach denen wir wieder wie als hätte man das Programm umgeschaltet in die Natur einbiegen konnten. Heute war nur noch ein wenig Dünenprogramm wie die letzten Tage. Unsere Route führte ein wenig durchs Landesinnere, wo anheimelnder Mischwaldbestand sich abwechselte mit dörflich-landwirtschaftlichen Ecken. Hühner liefen uns nicht nur einmal über den Weg. Von Automobilen im wesentlichen weit und breit weder etwas zu hören noch zu sehen, beinahe unwirklich mutete das bisweilen an.

Landidyll, gleich hinterm Deich

Der Wind hatte inzwischen gut zugelegt. Zum Glück war unsere Richtung meistens günstig, wir hatte aber auch Abschnitte mit Seiten- oder gar Gegenwind. Mit ordentlicher Kraft blies er uns dann entgegen, und wir waren um jede Kurve froh, mit der wir wieder eine etwas günstigere Richtung einschlugen.

Die Sonne war aber wieder nachhaltig zugegen. Deswegen musste zumindest ein kurzer Strandaufenthalt sein. Im Windschatten war es sogar richtig angenehm, Swen traute sich tatsächlich, kurz in die deutliche Brandung einzutauchen. Mir zog es zu gewaltig.

Am Strand. Schon schön, aber sehr zugig.

Ein Stückchen weiter war mitten auf dem Verbindungsdamm zweier Halbinseln eine Insel mit Strand und -Restaurant. Viele Kitesurfer waren offensichtlich begeistert über die Windverhältnisse. Die Terrasse war gut windgeschützt für die nicht kitesurfenden Gäste. Eine großartige Kulisse für zwei Radler, die zwei Radler zu sic nahmen.

Danach huschten wir nur noch ein paar Kilometerchen vor dem Wind her zu unserer Unterkunft. Wir hatten Mietzelt, ein sog. Glampingzelt auf einem schönen Campingplatz gemietet. Ein beeindruckend großes Stoffhaus im Safari-Stil, allerdings außer Enten und Karpfen im Campingteich keinerlei wilde Tiere rundherum. Mit Bett, Licht und Radiator, was auch den legendär höchsten Camping-Übernachtungspreis meines bisherigen Lebens rechtfertigt.

In den Dünen

Wijk aan Zee – Ijmuiden – Zandvoort – Katwijk – Scheveningen – s’Gravenzande 100 km

Holland zeigte sich heute früh von der ungemütlichen nassgrauen Seite. Wir zögerten unseren Start hinaus, bis es fast nicht mehr regnete. Der feine Niesel ließ uns allerdings zunächst mit Regenzeug starten. Will ja auch mal gebraucht werden, so Regenzeug.

Der erste Plan war, am sog. Nordpier überzusetzen an das südliche Ufer der Ij-Mündung. Wir waren ja auch fast am letzten Zipfel, also ein kurzes Stück Weg. Dieser führte direkt an gestern schon besagtem Stahlwerk vorbei, was der grau-feuchten Stimmung noch das besondere Ambiente verlieh. Das Highlight dieser ersten Etappe waren allerdings schottische Hochlandrinder, die uns gemütlich beim Vorbeiradeln anglotzten. Inmitten eines kleinen Skulpturenpark. Skulpturen aus Stahl, versteht sich.

Zottiges im Skulpturenpark am Stahlwerk.

Am Nordpier suchten wir den Fähranleger. Ein reges Treiben – trotz des schlechten Wetters – von sturmfest gekleideten Anglern und in Neopren gewandeten Surfern, die zumeist barfuß vom Parkplatz zur Brandungszone liefen.

Am Fähranleger dann die kleine Enttäuschung: das Bootchen wäre vor einer halben Stunde gefahren und erst um viertel vor zwei wieder. Wir fuhren dann natürlich das Stahlwerk-Wegstück zurück und konnten dadurch ein zweites Mal die stoischen Rinder (und diese uns!) anschauen.

Ein Stückchen weiter östlich führt dann eine regelmäßig verkehrende Fähre über die Ij, auf die wir ohne Wartezeit hinausrollen konnten. Ratzfatz waren wir drüben.

Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen. Der Himmel war zwar noch immer wolkenverhangen, aber es war nicht kalt und der mäßige Wind kam von hinten und schob uns sanft in unsere Richtung. Meistens hatten wir eine schöne Route in schon von gestern bekanntem Dünensetting, allerdings heute fast immer auf allerbestem Rollerasphalt.

Wir passierten Zandvoort (schrecklich hässlich), Nordwijk (immer noch hässlich genug) und pausierten in Katwijk (ganz nett). Hier hatte ich 2010 auf meiner Nordseeumrundung übernachtet, ich erkannte aber nix wieder. Dafür gab es eine Bockwurst serviert von einer perfekt deutsch sprechenden freundlichen jungen Frau, die uns verriet, dass sie einen deutschen Vater habe.

Kultur in Nordwijk

Weiter ging die Fahrt in den Dünen. Irgendwann verlor ich die Nordseeroute und wir fanden uns in ungewohnt urbaner Gegend wieder. Die Schilder wiesen hier auch Richtung Den Haag Zentrum. Na gut, dann eben dort lang. Aber als wir kilometerlang entlang einer vierspurigen Straße geführt wurden, wurde uns das zu bunt und wir suchten wieder eine urlaubsfreundliche Route. Die zunächst durch eine parkähnliche Landschaft mit eindrucksvollen Landgütern führte, bevor wir wieder den schönen Dünengürtel erreichten.

Kleines Binnengewässer in den Dünen

In Scheveningen (wieder ziemlich furchtbar) gab es am Strand ein erstes Radler. Wir buchten unsere Unterkunft, fast blind über Google Maps. Ein B&B in einem Ort mit dem beinahe unaussprechlichen Namen s’Gravenzande.

Eine letzte Stunde durch die Dünen führte uns schlussendlich an gewaltigen Gewächshäusern vorbei in ein typisches Einfamilienhaus-Wohngebiet. Im B&B „de Sluiswachter“ wurden wir dafür aufs herzlichste empfangen. Man kochte uns erst mal einen Tee und wir mussten am großen Esstisch von unseren großen und kleinen Abenteuern erzählen. Mal eine Abwechslung zu den bisherigen Hotels: hier ist einfach das Dachgeschoss für Gäste ausgebaut.

An die Nordsee

Enkhuizen – Heerhugowaard – Alkmaar – Edmond aan Zee – Wijk an Zee 90 km

Das Wetter zeigte sich heute früh nicht mehr ganz so freundlich wie die letzten Tage. Vor allem hatte Holland die Windmühlen eingeschaltet und wir hatten einige km gegen den Wind. Was natürlich auf einem Liegerad immer erträglicher als mit einem aufrechten Fahrrad ist, merklich ist das aber schon.

Durch gewohnt dörflich-landwirtschaftliches Setting ging es wieder westwärts. Wir fuhren entlang der nördlichen Kante der Halbinsel, auf der sich Enkhuizen befindet. Sehr schön war ein Abschnitt, der einige km auf der Deichkrone entlang führte. In einem so flachen Land hat man schon auf dem Deich eine wunderbare Aussicht.

Nach 20 Kilometern regt sich ja gemeinhin beim Radtourenfahrer das dringende körperliche Bedürfnis nach Kaffee. In dieser ruhig-dörflichen Gegend – man könnte es auch plattes Land nennen – erwies sich die Erfüllung dieses Bedürfnis allerdings als schwierig. Ein hübsches Dorf nach dem nächsten kam, aber höchstens geschlossene Gastronomie.

Dafür sah ich schon eine ganze Weile auf meiner niederländischen Radrouten-App, dass wir uns einem orangenen „R“ auf der Karte näherten. Und dann stand tatsächlich ein Schild mit Kaffeetasse dort. Keiner da, aber ein Lädelchen mit Milchprodukten vom Bauernhof mit Selbstbedienung und Bänkchen hinter dem Bauernhaus. Und dann kam doch noch der Bauer höchstpersönlich vorbei, zeigt uns den hübsch eingerichteten Rastraum für Wanderer und Fahrradfahrer mit vorhandener Selbstbedienungskaffeemaschine. Wir konnten uns mit Beerenquark, Bauernhofeis, Kaffee und Sirupwaffeln stärken. Perfekt, tolle Einrichtung.

Am Rustpunt. Schöne Einrichtung für Wanderer und Radfahrer

Dann wurde das Setting wieder urbaner. Auf teilweise perfekten Fahrradstraßen mit Schildern „Liebe Autofahrer, ihr seid hier nur zu Gast“ rollten wir nach Alkmaar hinein. Diese Stadt ist berühmt für den traditionellen Käsemarkt, der natürlich genau heute nicht stattfand. Nichtsdestotrotz eine schöne Altstadt, die wir bei einem Radler am Biermuseum und auf der folgenden Radroute durch die Stadt, die alle schöne Ecken mitnahm, genossen.

Jetzt war es nicht mehr weit bis zur Nordsee. In Egmond aan Zee zogen wir die Schuhe aus und liefen durch den feinen Sand bis ans Wasser. Mit den Füßen waren wir drin, mehr war heute nicht angesagt: zu frisch der Wind, zu ungemütlich die Wellen.

Das letzte Teilstück verlief mitten durch die Dünen. Fast wie ein kleines Gebirge muteten diese manchmal an. Natur pur für 20 km: windgebeugte kleingewachsene Strandkiefern, Heidekraut, immer wieder Flecken hellen Sands. Der Weg allerdings ein wenig rumpelig.

Dünen“Gebirge“ soweit das Auge reicht

Unser Zielort Wijk aan Zee war dann auch bald erreicht. Vom Stahlwerk direkt im Kreut des Orts bekommt man zum Glück kaum etwas mit. Wir fanden ein entzückendes Hotel und hatten direkt am Meer mit malerischer Wolkenkulisse ein schönes reichhaltiges Abendessen.

Nordsee-Drama