Und wieder ein Ende der Reise

La-Chaux-de-Fonds – Muttenz – Freiburg – Bodman – Tüfingen – Friedrichshafen, im wesentlichen motorisiert

La-Chaux-de-Fonds entließ uns mit prächtigem Sonnenschein. Rückreise war angesagt. Also rollten wir zunächst aus dieser luftigen Jurahöhe hinab zum Rhein. Und der Jura gab landschaftlich noch einmal alles, um diese letzte Etappe zur schönen Landpartie über grüne Hügel mit friedlich grasenden Kühen zu machen.

Durch das Tal der Birs kamen wir Basel immer näher. Die Strecke hatten wir beim Hinweg ja auch genommen, dort war es aber schon dunkel gewesen. Und tatsächlich, auch das ein spektakulär schönes Tal mit senkrechten Felswänden neben der Straße und ansehnlichen Orten.

In Muttenz besuchten wir die Erbauer unserer wunderbaren Liegeräder, Wolf&Wolf. Ich habe ein kleines Problem am Rahmen, was zu reparieren ist. Der Besuch hatte allerdings noch weitergehende Konsequenzen…

Wir nutzten die schönen Nachmittagsstunden dann für einen kleinen Abstecher per Rad nach Kaiseraugst. Dort hat es dicke römische Mauern, die von einer bedeutenden Siedlung zeugen. Wir gönnten uns allerdings wenig Besichtigungsprogramm, da wir feststellten, dass unsere Fahrradschlösser nicht mitgekommen waren. Naja, es waren auch wenig Ehrfurcht verströmende lärmende Schulklassen dort unterwegs, sodass wir bald wieder den Rückweg antraten.

Das Amphitheater von Augusta Raurica.

In den späten Naachmittagsstunden reihten wir uns dann in das heftige Basler Verkehrsgewühl ein. Nun gut, dieses Mal waren wir selbst auch der Stau, aber die Intensität des automobilen Wahnsinns lässt einen schon nachdenken.

Ein letztes Zwischenziel war dann Freiburg. Hier wurden wir herzlich empfangen und opulent bekocht. Der Wagen stand am Tiergehege Mundenhof nicht weit von der Wohnung meiner Tante. Dort weckte uns anderntags auch das Krähen eines dort ansässigen Hahns, ansonsten war der Platz für Großstadtverhältnisse sehr schön ruhig.

Ein angenehmer Platz zum Übernachten am Mundenhof. Bitte die Parkgebühren entrichten, kommt den Tieren zugute.

Die letzte Etappe führte uns also über den Schwarzwald. Den wir komplett überquerten bis wir den äußersten Zipfel des Bodensees erreicht hatten. In Bodman ist ein sehr schönes Strandbad und der See war temperaturmäßig gerade noch so angenehm – vermutlich ein letzter Badeplausch diesen Sommer.

Eine ganz ungewohnte See-Perspektive am westlichen Zipfel des Überlinger Sees.

Wir schaukelten weiter über Landstraßen Richtung Osten. Eine Umleitung ließ uns in Richtung Salem geraten. Wie zufällig kamen wir am Andreashof in Tüfingen vorbei. Ein schöner letzter Abstecher, hier gibt es einen Hofladen mit Café, und rund um das Hofgelände sind schöne Sitzplätze im reich blühenden Garten vorhanden.

Eine Entdeckung, die uns sicher noch öfter sehen wird: der Andreashof in Tüfingen.

Und letztlich kamen wir dann doch zuhause an. Wieder ging eine wunderbare Reise zu Ende.

Zu Gast bei Meister Secundus Minutius Hora

Tag in La-Chaux-de-Fonds, meistens zu Fuß

Oh je. Der Himmel ergoss sich noch in den frühen Morgenstunden auf dieses schöne Stück Land herab. Aber wir hatten das den Prognosen Glaubens schon geahnt und die Pläne waren daher eher urbaner Natur. La-Chaux-de-Fonds ist einer der Hauptorte der Schweizer Uhrenindustrie und die Schweiz ja bekanntermaßen für ihre Uhrmacherkünste schon seit Jahrhunderten in der ganzen Welt berühmt.

Nach trägem Start machten wir uns also zu Fuß auf nach downtown. Was hier im doppelten Sinne gilt, da das Zentrum ganze 60 Höhenmeter tiefer liegt als der übrigens sehr angenehme Campingplatz.

Nach kurzem Fußweg erreichten wir unser angestrebtes Ziel: das Uhrenmuseum. Und tauchten ein in die Welt und Geschichte der Zeitmessung. Jahrhundertealte Uhrwerke, noch mit groben Zahnrädern, die übergingen in immer kompliziertere Mechanismen von winzig kleinen hochpräzise angefertigten Teile. Prachtvolle, reich verzierte Exemplare, die von höchster Uhrmacherkunst zeugen. Ganze Automaten mit zahlreichen sich synchron bewegenden Figürchen und dazu spielende Musik. Überall ein Ticken, Surren, Bimmeln von Schlagwerken und mechanisch spielende Musik.

So ungefähr muss es bei Meister Secundus Minutius Hora aussehen.

Und allen gemeinsam das mechanische Prinzip von Unruh und Hemmung, zugrunde liegend die brachial simple Physik des Pendels. Beziehungsweise das der regelmäßigen Oszillationen von was auch immer, in der heutigen Zeit die Eigenschwingungen von Atomen, die wir in der Lage sowohl anzuregen als auch zu messen sind.

Wir verbrachten einige Zeit in diesem wirklich lohnenswerten Museum. Danach blieb noch genug Zeit, La-Chaux-de-Fonds mal ein wenig genauer in Augenschein zu nehmen. Schließlich bin ich schon das dritte Mal hier, es waren aber bisher nur Stippvisiten, zu denen ich immer ein wenig einen düsteren Eindruck hatte.

Die Stadt zeichnet sich ja durch ein sehr ungewöhnliches Stadtbild aus: die Straßen sind komplett rechtwinklig angelegt, parallel zum Hang verlaufen lange Boulevards, rechtwinklig dazu stürzen die Verbindungsstraßen den Hang hinunter. Und fast sämtliche Häuser datieren auf mehr oder weniger dieselbe Epoche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da Ende des 18. Jahrhunderts ein verheerender Brand einen kompletten Neuaufbau der Stadt zur Folge hatte. Das ganze Stadtbild wurde immer sehr konsequent erhalten und jegliche Verbauung verhindert. 2019 wurde es in das Unesco-Welterbe aufgenommen.

Unendliche Straße parallel zum Hang….
…und rechtwinklig dazu stürzt es den Hang hinunter.

Man entdeckt sehr schöne alte Fassaden. Je mehr man den Hang hinauf kommt, desto mehr altehrwürdige Villen sind zu besichtigen. Durchaus schöne Ecken und Plätze sind zu finden, wenn auch die meisten Straßen vom Autoverkehr dominiert sind, stehend und fließend. Scheinbar ist die Stadt in Richtung mehr Fußgängerbereiche unterwegs, hier ist noch viel Potential.

La Grande Fontaine. Kenner erkennen, dass hier Kassiopeia ein vielfaches Denkmal gesetzt wurde.

Natürlich fehlt hier eine romantische mittelalterlich Altstadt, aber auf den (bei mir) dritten Blick ist sie auf jeden Fall sehr sehenswert und man entdeckt immer wieder interessante Ausblicke. Wir entdeckten dann schlussendlich noch einen grandiosen Italiener und befanden auch diesen Tag als sehr gelungen.

Wasserfällchen

Sankt-Hippolyte – Les Brenets (motorisiert) – Le Saut du Doubs (zu Fuß) – La-Chaux-de-Fonds

Wetterumschwung. Wie prognostiziert regnete es nachts kräftig und morgens immer noch. Kein Wetter für eine Königsetappe. Wir wollten auch wieder in die Schweiz übersiedeln. Und La-Chaux-de-Fonds lockt mit einem sehenswerten Museum über die dortige Entwicklung der Uhrenindustrie. Und dem von Le Corbusier entworfenen Stadtgrundriss, inzwischen Unesco-Welterbe.

Leider wurden wir etwas ausgebremst. Nicht vom Frühstück, für das wir uns viel Zeit ließen. Als wir losfahren wollten, gab es nach Zündung an einen entsetzlichen Dauerwarnton, der eigentlich nur vor der nicht eingefahrenen Trittstufe an der Türe warnen sollte. Alles abgecheckt ob zu, drin oder verriegelt – Warnton brüllt immer noch. Nach Wälzen der unergiebigen Bedienungsanleitung blieb dann noch ein Anruf beim Kundenservice für dieses ansonsten hervorragende Wohnmobilchen. Am Ende fanden wir mit deren Hilfe den Sicherungskasten, zogen eine der Sicherungen heraus und steckten sie wieder rein – Stille. Gottseidank.

Dann ging es über die französischen Höhen des Comté Richtung Süden. Schöne Strecke, und ab und zu war sogar ein Hauch Sonne am Himmel wahrzunehmen. Deswegen hatten wir doch ein wenig Outdoorprogramm in die Planung aufgenommen: Von Les Brenets wollten wir zum Saut du Doubs laufen – dem Wasserfall am Doubs. Wir waren nämlich inzwischen wieder weiter östlich am nach Norden fließenden Schweizer Ast des Doubs angelangt.

(Fast) wie am Grand Canyon.

Das Wetter hielt einigermaßen und so wurde das eine sehr lohnenswerte Aktion. Man läuft in lichten Höhen über steil abstürzenden Hängen oberhalb des sich schlängelnden Lac des Brenets. Ein grün bewachsener mit dichten Moosen durchzogener Märchenwald flankiert dieses Gewässer, immer wieder kommen mächtige senkrecht abstürzende Felsen an den Hängen zum Vorschein. Wie ein Grand Canyon fühlt sich das durchaus an.

Hier plätscherte wohl dereinst mal munter Wasser zum Wasserfall hin. Jetzt – nichts mehr.

Der Wasserfall schlussendlich enttäuscht dann ein wenig. Vermutlich der Klimakatastrophe geschuldet sind über weite Teile des oberen Verlaufs nur große moosbewachsene Felsbrocken mit zum Teil überhaupt keinem Wasser zu sehen. Weiter unten sprudelt dann doch wieder ein wenig heraus, was sich am eigentlichen Wasserfall 27 m in die Tiefe ergießt. Nun ja. Die Vielzahl der heute meist geschlossenen Buden am Weg zeugen von einem weitaus kräftigeren Strom an Besuchern in der Hochsaison, das war zum Glück sehr entspannt heute.

Schlussendlich gab es doch noch ein bisschen Wasser, das runterfiel.

Danach steuerten wir unsere Zielort an, wo ein schöner Campingplatz mit freundlichem Empfang auf uns wartete. Wir machten noch einen kleinen Ausflug auf zwei Rädern nach Downtown (schrecklich verkehrsverseucht hier) und leider versagte Swens Zusatzantrieb den Dienst beim steilen Wiederanstieg zum Campingplatz zurück. Die Technik war uns heute nicht gewogen.

Am Campingplatz. Dramahimmel im Preis inbegriffen.

La Plage

Saint-Hippolyte – Montécheroux – Pierrefontaine-les-Blamont – Pont-de-Roide-Vermondans – Saint-Hippolyte 38 km

Ein herrlicher Morgen läutete den Tag ein. Also Campingmöbel raus aus der Heckgarage und draußen gefrühstückt. Mit frisch erworbenen echt französischen fluffigen Croissants und sehr schönem Pain de campagne, frisch erworben vom „Artisan boulanger“, also echtem Handwerk. Es wurde irgendwann fast schon zu warm in der Sonne, aber wunderbar!

Segen des Wohnmobilurlaubs.

Es zog mich heute auf das Hochplateau, also hatte ich eine Runde „obenrum“ geplant. Was bedeutet, dass zunächst mal insgesamt 450 Höhenmeter Arbeit zu verrichten waren.

Die ließen sich zum Glück wenig steil, aber stetig an. Recht ruhiges Sträßchen mit immer wieder schönen Ausblicken, wie man das gern hat. Aber trotz dass die Sonne immer mehr von Wolken verhüllt wurde, kam man doch gehörig ins Schwitzen, so schwül war das.

Aber auch hier gibt es diesen schönen Moment, an dem man das Gefühl hat, „über die Kante“ drüber zu sein. Die Hänge weiten sich, der Blick hat plötzlich viel mehr Auslauf auf grüne sanfte Hügel und friedliche Dörfer.

Weites grünes Land.

Wir erreichten Montécheroux. Hier gibt es das Musée de Pince, also das Museum der Klemme/Zange/Schere/Pinzette. Allgemein gesprochen der feinmechanischen Schmiede, die hier vor zweihundert Jahren sehr verbreitet war und die die Uhrenindustrie im nahen La-Chaux-de-Fonds belieferte. Der Landstrich hier trägt auch den Namen „Pays de Horloge“, also Uhrmacherland. Leider hatte das Museum geschlossen. Es war allerdings eine Dame da, die uns zumindest im Außenbereich etwas zu diesen interessanten Dingen erzählte.

Nach dem Dorf absolvierten wir einen weiteren saftigen Anstieg, bis es es dann fast ebenso konsequent wieder hinunter ging. In Pierrefontaine erhofften wir ein kaltes Getränk, aber auch dort hatte die Gastronomie wohl aufgegeben. Ein netter Einheimischer, der einen mich unfreundlich überholenden Autofahrer mitfühlend kommentierte, hätte uns sogar zwei Bierchen angeboten. Was uns dann doch zu heavy war in der schwülen Luft.

Alsdann donnerten wir ins Tal zurück. Die 60 km/h mal wieder gerissen auf sehr guter Straße. Das sind Momente, in denen man nichts anderes als dieses Liegerad haben möchte.

Pont-de-Roide war dann ein eher unprätentiöser Flecken mit recht viel Verkehr. In einer sehr typischen französischen Bar erhielten wir unser ersehntes hopfenhaltiges Getränk. Dann stand aber sofort der Höhepukt des Tages an: dieser Ort hatte ein kleines Freibad, was schon fest eingeplant war, etwas großspurig „La Plage“ genannt.

Wir fanden es gleich am Ortsende. Eine breite Stelle, an der der Doubs einen kleinen See bildet mit einer ganz netten Anlage mit Steg und Stufen. Und sogar eine in einem spektakulären Felsen eingebaute Sprunganlage. Offiziell zwar schon geschlossen, aber man kam problemlos rein. Und schnell waren wir auch ganz drin, im Wasser, sehr erfrischend und dann aber schnell wieder raus, doch eher sehr kühl…

À la plage.

Zurück ging es im Doubs-Tal auf der alten Landstraße, fast verkehrsfrei. Auch das wieder eine sehr schöne Strecke. Nur zum Schluss mussten wir doch wieder auf die etwas lebhafte Straße, mit dem Rad war auf dem letzten Wegstück kein gutes Durchkommen mehr.

Trotz weniger Kilometer doch wieder viel erlebt in dieser schönen Gegend. Und noch mal Glück gehabt mit dem Wetter, die nächsten beiden Tage verheißen nichts Gutes…

Das Tal des Dessoubre

St-Hippolyte – Vallée de Dessoubre – Hôtel de Gigot – Vallée de Dessoubre – St-Hippolyte 56 km

Der Tag begann neblig. Herbst im Flusstal, also nichts außergewöhnliches. Nach dem Frühstück hatte sich die Sonne aber wieder prächtig am bleuen Himmel eingefunden. Die erste Etappe war motorisiert und sollte uns ins 33 km entfernte St-Hippolyte führen.

Wir schaukelten also zunächst einmal wieder das Doubs-Tal entlang. Zum Teil waren wir das am Vortag schon geradelt, die zweite Hälfte war neu. Schön war es allenthalben. Und zum Glück auf der schmalen Straße wenig los, wir sind ja doch ganz schön dick mit unserem rollenden Tiny House.

In St-Hippolyte waren Supermarkt und Campingplatz nach einem ungewollten leicht schweißtreibenden Abstecher ins enge Dorfgewirr schnell gefunden. Wir fanden ein Plätzchen auf diesem wieder sehr lauschig am Fluss gelegenen Campingplatz und machten uns startklar für den unmotoriserten Teil des Tages.

In das Tal des Dessoubre sollte die Reise gehen. Hier war ich schon vor exakt 30 Jahren lang gekommen und dachte damals, man müsste nochmal hier her kommen, so schön war das. Naja, hat eben ein paar Jahre gedauert aber jetzt waren wir da.

Und tatsächlich: schon vom Ortsausgang anfangend ein wildromantisches Tal mit sehr ruhigem Landsträßchen. Noch enger als das Doubs-Tal mit viel Wald auf den Hängen. Mächtige Felsen, die immer mal wieder volle Breitseite aus dem Wald hinauslugen. Und ab und zu ein Häuschen rechts und links der Straße, oft kleine hübsche Ferienhüttchen.

Wunderschön.

Wir erreichten das Dorf Rosureux. In the middle of nowhere, ein paar versprengte Häuser, die sich um ein kleines Kirchlein drängen. Hier machten wir einen Abstecher auf den Kirchplatz und – siehe da, der Brunnen war noch da. An diesem Brunnen hatte ich vor 30 Jahren von einer sehr netten Madame des Dorfs einen Laib Brot geschenkt bekommen, als ich fragte, ob es hier irgendwo eine Möglichkeit gäbe, Lebensmittel aufzustocken. Heute wie damals allerdings nichts. Heute stand zwar eine Pizzabude herum, die aber sehr verlassen wirkte.

Der Brunnen in Rosureux. Ob der Hydrant vor 30 Jahren auch schon da war, kann ich jetzt nicht sagen. Damals waren aber reale Menschen um diesen Brunnen versammelt.

Wir radelten noch ein Weilchen flussaufwärts. Der ursprüngliche Plan war, nach Pierrefontaine auf die Anhöhe zu fahren – meine damalige Route führte uns dort hinauf. Hier konnten wir damals etwas einkaufen und fanden dann einen sehr netten Bauern, der uns eine Wiese zum Zelten überließ.

Am Abzweig nach Pierrefontaine allerdings dann dieser immer wieder unwillkommene Hinweis: „Route barrée“. Und Baustellenlaster, die schwungvoll um die Ecke kurvten. Das Hotel Gigot in diesem grünen Talgrund hatte zum Glück geöffnet, sodass wir bei kühlem Getränk die Szene betrachten konnten. Und beschlossen, auf derselben Strecke wieder zurück zu fahren.

Gesperrt.

Was dann noch mal schöner war: erstens lief es leicht bergab natürlich sensationell, zweitens bekamen wir noch mal ganz andere Perspektiven auf die beeindruckenden Felsen und drittens fand Swen doch noch eine Stelle, an der er sich in den alpin kalten Fluss werfen konnte. Nun ja, der Wasserstand war kaum pfützenhoch, aber er war glücklich danach.

Am Ende kamen doch wieder mehr als 50 km zusammen und wir durften auch heute einen schönen Tag mit spätsommerlich warmem und schönem Wetter genießen.

Jurassic Parc

Fahrt (motorisiert) Friedrichshafen – St. Ursanne (Vortag), St. Ursanne, Radtour St. Ursanne – Tariche – Soubey – Clairbief – Indeviller – Glère – St. Ursanne 49 km

Eine letzte Reise stand an. Wir hatten entschieden, diese wieder Wohnmobil-basiert auszuführen und ich hatte die Idee, mal wieder ins Jura zu fahren, also das schweiz-französische Grenzgebiet. Nicht so spektakulär wie die Alpen, aber dennoch eine sehr famose Landschaft und Gegend, wie ich auf Radtouren 1991, 1998 und 2013 schon dreimal erfahren durfte.

Samstag Mittag holten wir zunächst unser temporäres rollendes Heim von unserem Vermieter bei uns in der Nähe ab. Wir waren uns sofort alle sehr sympathisch, Vermieter, wir und das Wohnmobilchen. Schön alles besprochen, fuhren wir zunächst erst mal wieder nach Hause um unsere Habseligkeiten und Fahrräder hinein und aufzuladen.

Bei unseren ungewöhnlichen Fahrrädern mussten wir mehrere Kombinationen ausprobieren, bis die beiden auf dem Träger saßen. Deswegen war es nach 16:00, bis wir wirklich loskamen. 250 km waren zurückzulegen und der geringe Anteil an Schnellstraße verhieß noch eine recht lange Etappe.

In Waldshut ließ uns der Hunger ein Restaurant suchen. Wir fanden einen schönen Biergarten fast direkt am Rhein mit griechischer Küche. Auf das sehr gute Essen warteten wir allerdings unglaublich lange, da im Innern eine große Gesellschaft von 40 Personen vor uns dran war. Was natürlich in einem ungeduldigen Moment der Durchreise passierte und wir uns bemühe mussten, die Urlaubsgesuche Gelassenheit nicht zu verlieren.

Im letzten Abendlicht fuhren wir rheinabwärts bis kurz vor Basel. Wieder einmal eine schöne Landpartie. Um Basel schwindet die Romatik dann sehr, ein kompliziertes System von Schnellstraßen erfordert höchste Konzentration, dass man immer die richtige Spur trifft. Zum Glück war wenig los.

Im Dunkeln schließlich legten wir die letzten Kilometer Richtung Jura und Doubs-Tal zurück. Das muss bei Tageslicht auch eine sehr schöne Strecke sein – wir wollten jetzt allerdings ankommen.

Gegen halb zehn hatten wir es tatsächlich geschafft und auch gleich den Campingplatz gefunden. Ein paar freundliche Inder hatten ein Lagerfeuer gemacht, an dem wir noch ein wohlverdientes Feierabendbier genießen konnten. Sehr schön gelegen ist der Platz: fast direkt am Fluss, umgeben von bewaldeten steilen Hängen, aus denen immer wieder helle Felsen hervorblicken. Ein großes Bahnviadukt überspannt das Tal. Man hört Kuhglocken, zirpende Grillen und ab und zu das Gequak einer empörten Ente.

Bei Tageslicht – spektakulär gelegen, unser Campingplatz.

Nach ruhiger Nacht empfing uns morgens ein wenig Nebel, der das Tal in ein mystisches Licht tauchte, aber bald verschwand und einem von einzelnen Wölkchen gesprenkeltem blauen Himmel Platz machte.

Wir starteten ins Flusstal. Und schon vom ersten Augenblick an hatte man dieses Wunderschön-Gefühl. Saftig grüne Hänge, Wäldchen hier und dort, wunderhübsche meist weiß-braun gesprenkelte Kühe und rechts von uns floss friedlich grün der Doubs dahin.

So ein lauschiges Flusstal.

Das Sträßchen entfernte sich aber auch immer wieder vom Fluss. An den steilen Hängen hier bedeutete das dann immer gleich Kurbelei. Aber die Schmerzen wurden sofort mit postkartenreifen Aussichten belohnt. Und diese Ruhe allenthalben. Unfassbar schön.

So grün!

Wir erreichten ein winziges Dörfchen, Soubey. Das „Hotel du Cerf“ (also der Hirschen) war sogar offen, aber leider alles besetzt. Sowieso noch recht früh am Tag, also weiter. In Clairbief wenige km weiter sollte es die nächste Möglichkeit geben.

Aber auch dort alles voll. Da wir sowieso die größte Bergwertung des Tages hier direkt vor uns hatten, wollten wir diese erst absolvieren. Auf der Anhöhe schien es ein etwas größeres Dorf zu geben und wir hofften, dort etwas zu bekommen.

Nach fast 300 Höhenmetern zum Teil harten Gekurbels (warm war es auch noch) erreichten wir Indeviller. Leider gab es nur die Auswahl zwischen zu und zu – das Hotel de la Poste hatte offensichtlich schon lange keinen Menschen mehr bewirtet und das kleine Café, was dem Dorflädchen angegliedert war, hatte wegen Sonntag geschlossen. Oh je, und wir hatten sehr wenig Proviant mitgenommen.

Fermé, das Hotel de la Poste….

Aber dann ging es erst mal hammerhart bergab, wieder zum Doubs hinunter. Das geht deswegen, weil der Doubs bei St. Ursanne eine 180°-Kurve macht und deshalb für einige Kilometer parallel verläuft. Wir sind also vom Doubs wieder an den Doubs gefahren ohne viel Kilometer dazwischen zu haben. Ein offensichtlich sehr eigenwilliger Fluss.

In Glère gab es einen Campingplatz, der leider nichts zum Verzehren anbot. Allerdings hatte er einen kleinen Pool. Wir fragten spontan, ob wir den auch als Nicht-Camper nutzen durften, was uns die freundliche junge Platzchefin erlaubte. So hatten wir zumindest eine schöne äußere Abkühlung.

Abkühlung dans la piscine. Wonderful!

Die restlichen Kilometer nach St. Ursanne waren dann überschaubar. Allerdings bekamen wir hier auch nur noch Vesperplatte und das auch nur im zweiten Restaurant, weil die Schweizer Gastronomie flächendeckend am Sonntag nur Mittags warme Gerichte serviert. Wir waren aber ganz gut gesättigt, geht offensichtlich auch mal ohne warme Hauptmahlzeit.

St. Ursanne lohnte noch eine Schlenderrunde durch die Gassen: ein sehr schön erhaltenes mittelalterliches Städtchen hier. Natürlich auch hier überall Automobile, die die Fotos spoilern.

St. Ursanne downtown.

Die letzten Sonnenstrahlen am Ufer des Doubs ausnutzend ließen wir diesen schönen Tag ausklingen. Welcher in die Top 10 der Tourentage der letzten Jahre eingehen wird!

Strandbad am Doubs

Ausgerollt

Klosters-Serneus – Grüsch – Landquart – Triesen – Feldkirch 70 km

Zumindest regnete es nicht mehr. Eigentlich hatte ich ja im Hinterkopf, so schnell wie möglich eine Bahn zu besteigen und damit wieder nach Hause zu fahren. Allerdings lag unser Hotel so oder so nicht wirklichen der Nähe eines Bahnhofs, sodass die Abreise auf jeden Fall per Rad erfolgte.

Das Hotel Bad Serneus. Ein wunderschön altmodisches Kurhotel.

Aber dann! Ein zumeist deutliches munteres Bergab meistens auf der alten Landstraße. Die Autos hatten im ganzen Tal eine breite, gut ausgebaute Schnellstraße, sodass wir völlig unbehelligt vom Verkehr die ganzen 30 km Tal zum Ausrollen hatten. Und wir kamen natürlich durch die schönen Dörfer, wo sich früher der ganze Verkehr entlang gewalzt hatte und die jetzt ruhig dalagen.

Tief eingeschnitten: das Prättigau

Wir mussten zunächst mal kräftig rauf. Das Hotel war ja wildromantisch direkt am Landquart gelegen, der hier ein tief eingeschnittenes Tal geschaffen hat. Alle Infrastruktur ist allerdings auch weiter oben am Hang, und dort war unsere Radroute auch. Erst einmal 53 Höhenmeter hinaufochsen direkt nach dem Frühstück, man konnte gleich mal ein wenig weinen.

Richtig spektakulär wurde das Tal gegen Ende, als sich Bach und Straße zwischen hohen Felsen hindurchzwängen, eine regelrechte Schlucht ist hier entstanden. Und immer schön leicht bergab – wir flogen nur so dahin.

Dorfbrunnen und schöne Räder in Grüsch.

In Landquart weitete sich das Tal dann plötzlich – wir waren im Rheintal angekommen. Touchdown, sozusagen. Nach einigem Zick und Zack wurden wir auf den Rheindamm geführt. Sehr schön flach und ruhig ging der Flow weiter Richtung Norden.

Gegen 12:00 waren so schon knapp 50 km zusammen gekommen. Jetzt allerdings verdichteten sich die dunklen Wolken und wir beschlossen, einen Mittagssnack zu suchen. Was ja am Montag nicht ganz einfach ist. Zum Schluss wurde es der McDonalds in Triesen im liechtensteinischen. Wo auch Banker und Geschäftsleute speisten, offensichtlich.

Es regnete sich jetzt tatsächlich ein. Wir beschlossen, nach Feldkirch zu fahren – 15 km von unserem McDonalds – und von dort den Zug nach Hause zu nehmen. Wir nahmen ohne große Routenschnörkel die Landstraße, auf der immerhin meistens ein breiter Radstreifen war. Allerdings ein sehr lebhafter Verkehr machten diese 15 km nicht zu unseren angenehmsten. Aber relativ zügig hatten wir sie abgearbeitet und erreichten Feldkirch.

Hier gönnte ich uns noch eine kleine Runde durch die schöne Altstadt, bevor wir zum Bahnhof fuhren. Und dann ging alles ganz schnell und wir waren zu Hause.

Trotz des manchmal suboptimalen Wetters war das alles in allem aber eine großartige Unternehmung und wir sollten gleich fürs nächste Jahr etwas ähnliches planen!

Ofen aus!

St. Maria Müstair, Tschierv, Ofenpass, Ova Spin, Zernez, (Klosters) – Serneus 41 km

Der Wettergott hatte uns erhört und tatsächlich verließen wir schon um halb neun das frostig kalte St. Maria, aber in schönem Sonnenschein und nur ein paar Wölkchen, die den frisch-blauen Himmel zierten. Eine wunderschöne Morgenstimmung, auch die Straße war noch sehr ruhig und das Münstertal ist jedes Mal wieder ein landschaftlicher Genuss. Auf sanft geneigten Hängen wellt sich das breite Tal zum Pass hin. So ist auch die Straße: immer mal wieder deutliche Anstiege, von denen man sich immer wieder auf flacheren Passagen erholen darf.

Heute morgen in St. Maria

Zum Schluss scheint sich der Pass noch daran zu erinnern, dass er als vollwertiger Pass auch Kehren haben sollte und so winden sich gerade mal drei Kehren den zum Schluss steilen Hang hinauf. Zu normal sommerlichem Wetter brüllt die Sonne an diesen Hang und der Pass wird seinem Namen gerecht, heute waren die Temperaturen sehr geeignet, um Ausdauersport in Form von Bergaufkurbelei hier zu verrichten.

Dann war auch bald nach ein wenig innerlichem heimlichen Weinen die Passhöhe erreicht und sofort war klar: heute ist der Ofen aus. Ein bissig kalter Wind von Westen und in unsere Richtung dunkle viel Feuchtigkeit verheißende Wolken. Also nichts wie los, keine Zeit war zu verlieren.

Auf dem Ofenpass. Richtung Westen ist aber voll der Ofen aus…

Die Abfahrt und Weiterfahrt führte uns durch den Nationalpark Engadin. Sehr ursprünglich, dunkler Wald und graue Felsen, die heute noch etwas dunkler wirkten. Viel Verkehr, zum Glück dank mehrerer Baustellenampeln immer schwallweise, was wollten die eigentlich alle dort oben?

Man muss noch einmal einen Minipass überqueren, den Ova Spin, im Prinzip ist das genau eine Rampe, die man von weitem sieht und „ach du je“ denkt, aber diese ist schnell abgearbeitet.

Cosima und ich hatten die Etappe schon mit Plan B beplant: Zug ab Zernez, weil die Wetteraussichten je weiter westlich desto zuverlässig nass versprachen. Cosima trat gleich komplett den Rückzug in die Heimat an, ich wollte mit Thea aber noch die schöne Übernachtung in Klosters mitnehmen.

Thea allerdings war wild entschlossen, den Flüelapass noch zu erarbeiten und schoss dann gleich mal als erste ins Tal, um so viel halbwegs trockene Zeit wie möglich mitzunehmen.

Und tatsächlich war meine Ankunft in Klosters dann deutlich nass und sehr kalt. Uh. Das Hotel war um einiges weiter im Tal. Ich nahm die Radroute – ein schrecklich hoppeliger Schotterweg und natürlich total matschig. Nichtsdestotrotz erreichte ich bald das Hotel, das tatsächlich sehr lauschig direkt am Fluss Landquart liegt.

Nachdem ich selbst gemütlich in der Sauna wieder Wärme in die Knochen getankt hatte, kam Thea dann zum Glück zwar nass und durchgefroren aber ansonsten unbehelligt am späteren Nachmittag an. Es muss schon sehr ekelhaft und anstrengend gewesen sein, sie war allerdings ob der etwas durchgeknallten Leistung sehr euphorisch. Und ich verprach ihr, den Pass bei gutem Wetter noch mal gemeinsam unter die Räder zu nehmen, es muss wohl auch sehr schön sein dort oben.

Sehr gemütlich war das da oben vermutlich nicht….

Jetzt war noch eine letzte Herausforderung des Tages zu bewältigen: das Hotel hatte kein Restaurant, aber wir beide Hunger. Ich hatte in Serneus ein toll wirkendes Restaurant ergoogelt, wo wir trotz Dauerregens beschirmt hinlaufen konnten. Nur – das hatte unerwarteterweise Ruhetag, au weia!

Zwei Damen waren im Dorf ihre Hunde lüften, die fragten wir nach Alternativen. Die einzige realistische Alternative war zurück nach Klosters zu kommen – aber wie? Zu Fuß definitiv zu weit. Aber – in der Schweiz funktioniert der öffentliche Nahverkehr und wie von Zauberhand erschien innert weniger Minuten ein Bus, der uns nach Klosters brachte. Wir nahmen das nächste Restaurant am Bahnhof, etwas edel, aber egal. Der Kellner hatte uns beim Bestellen fast schon wieder vergessen, Thea war schon auf der letzten Rille. Dann konnten wir aber doch schnell bestellen, hatten unser Essen in sensationell wenigen Minuten und schafften sogar den letzten Bus zurück eine Stunde später. Das hätte man nicht besser planen können!

So hatte dieser am Ende schrecklich verregnete Tag doch noch seine sehr denkwürdigen Anteile und wir fanden das alles am Schluss sehr lustig.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Trafoi – Stilfser Joch – Umbrail – St. Maria im Münstertal 31 km

Nur 31 km! Das ist ja was für am Frühstück zwischen Müsli und Rührei. Nun gut, etwas anders sollte sich das schon gestalten.

Das Programm war zunächst mal recht deutlich und zwar schon vom Hotel weg klar: bergauf. Hatten wir am Tag zuvor zwar schon die ersten 600 Höhenmeter erledigt, was allerdings die leichtere Übung dieser Passwertung darstellt. Deswegen ging es vom Fleck weg rauf. Stetig und durchaus auch immer wieder steil gerade in diesem Abschnitt, der über viele Kilometer zunächst durch den Wald führt. Man sieht das nicht so, aber die Beine melden Daueralarm selbst im kleinsten Gang.

Das Geschwindigkeitsmessgerät lief eben auch gerade so über der Messgrenze. Laufen wäre kaum langsamer gewesen. Aber immerhin noch ein bisschen, man hat ja auch seinen Stolz.

Und so kurbelten wir uns Kehre um Kehre hinauf. Zahlreich überholt von leichtfüßigen unbepackten Rennradlern, auch einige elektrisch unterstützte Räder waren dabei. Der motorisierte Verkehr war zum Glück recht überschaubar, wäre doch heute das Autofrei-Event gewesen, wenn das nicht Corona verhindert hätte. Dennoch waren Scharen von Radlern unterwegs, genau, wie wir das vermutet hatten.

Die Mädels waren wieder immer etwas schneller, brauchten aber öfter Päuschen. So trafen wir uns immer wieder und von mir entstanden einige Heldenfotos vom Bergaufkurbeln. Und schon irgendwann war die erste Zahl von den Kehrennummerierungsschildern die Drei! Hurra! Und einige Zeit später mit einigem Gekeuch und ab und zu Schmerz (wenn das weiter sooo steil bleibt, sterbe ich) kamen wir zur Franzenshöhe, wo die Nr. 22 steht und der letzte Abschnitt sich sehr beeindruckend und fotogen am Südhang hinaufschwingt.

Das sieht aus, als ginge es bergab. Weit gefehlt. Mir war warm.

Eigentlich hätte ich hier gerne einen längeren Boxenstopp eingelegt aber die Mädels waren schon weiter. Ich drückte mir zumindest einen Riegel hinein, zog ein wenig Getränk aus dem Beutel und packte dann den letzten Abschnitt an – das Wetter drohte mit massiver Verschlechterung. Dadurch war das schon vernünftig, hier nicht zu viel Zeit liegen zu lassen.

Bei meiner letzten Stilfser-Joch-Besteigung war ich nach Eis und Strudel die letzten 22 Kehren in einem Zug durchgezogen. Das war heute nicht drin. An Kehre 17, 9 und 3 musste ich kurz verschnaufen. Was in dieser Höhe tatsächlich spürbar schwerer ging. Die Steilheit war nämlich tatsächlich zumindest meistens ein wenig moderater hier im oberen Abschnitt, aber man pfeift auf dem letzten Loch.

Kehre 22 und der spektakuläre Rest der Passstraße.

Aber dann – 3, 2, 1 – und – Juhuuuuuu! Was für ein Geackere mit einem Liegerad, aber sehr viel bewundernde Blicke um mich herum. Am Ende hatten wir für die 1200 Höhenmeter tatsächlich die anvisierten drei Stunden gebraucht, inklusive aller Pausen. Aber alles gefahren! Bruno machte uns an seinem Stand einen Bratwurstsandwich, den wir vor lauter erschöpft gar nicht schafften. Und sofort mussten wir alle verfügbaren Schichten über die bis dorthin sehr leichte Radkleidung legen. A***hkalt dort oben.

Und was für ein Rummel! Von Bormio hatte tatsächlich das Radevent stattgefunden und am Pass war alles völlig überfüllt mit Radlern, Fußgängern, Autos und Motorrädern. Schnell noch ein paar Gipfelfotos und dann nix wie weg hier! Grauenhaft.

Souvenirs, Souvenirs….

Kalt, kalt, kalt rollte es sich zum Abzweig Umbrail hinunter. Die Sonne war auch weg, zum Glück waren wir nicht in den Wolken gelandet. Das zahme Hügelchen zum Umbrail half, etwas Wärme wieder in die Knochen zu bekommen, aber auch hier verweilten wir nicht lange. Zähne zusammen beißend stürzten wir uns die grandiose Abfahrt hinunter und tatsächlich biss die Kälte an jeder Kehre ein bisschen weniger. Zum Glück war diese Seite schön ruhig, sodass man die Abfahrt sehr genießen konnte. Freundlicherweise zeigte sich die Sonne heraus und die Straße war im Vergleich zu von vor sieben Jahre weitreichend ausgebessert, damals holperten wir uns noch ins Tal.

Wo wir dann auch sehr früh waren und zunächst einmal mit Heißgetränken die immer noch in den Gliedern steckende Kälte vertrieben. Die Etappe war hier ja schon zu Ende, weiter oben im Tal hatten wir keine Unterkunft mehr bekommen. Aber St. Maria ist ein wunderschöner Ort im gleichwohl schönen Münstertal. Gemütlich ließen wir den Tag ausklingen und hoffen auf halbwegs vernünftiges Wetter morgen. Die Aussichten sind gerade etwas mau…

In St. Maria. Die Sonne war uns nochmal wohl gesonnen.

Kehre 45

Nauders – Reschenpass – Glurns – Prad – Trafoi 48 km

Ein überschaubares Programm war für diesen Tag angesagt. Auf den Reschenpass ist von Nauders aus kaum Arbeit zu leisten, danach geht es rasant hinab ins Tal und dann hatten wir die Übernachtung auf einem Drittel der Höhe des Stilfser Jochs gebucht.

Sehr kühl war es beim Start. Vom Hochsommer keine Spur, es hatte in der Nacht geregnet. Die nicht sehr schichtenweise Kleidung erwies sich aber für die ersten Kilometer doch passend. Es ging zwar nicht wirklich hammerhart alpin den Berg hinauf, aber über die eine oder andere sanfte Anhöhe schaukelte man sich so der Passhöhe des Reschen entgegen.

Am Reschensee.

Am Reschensee ging die Radroute dann rechts herum. Gesperrt vom motorisierten Verkehr schlängelt sich ein schmales Sträßchen am Westufer entlang. Ob der steilen Hänge schwang sich dieses zu Beginn durchaus kräftig immer mal wieder nach oben, sodass sich zur Staumauer hin rasante Abfahrten ergaben. Tolle Landschaft, ein guter Asphaltweg, schön kurvig – ein großer Spaß!

Über einen kurzen Abstecher über die gräßlich vielbefahrene Passstraße – die Radroute war gesperrt – schossen wir weiter abwärts. Immer mal wieder kamen wir durch altehrwürdige verwinkelt-pittoreske Dörfer mit Graffito-Fassaden und krummen und schiefen sehr alten Steinmauern. Burgen auf den Hängen rechts und links, das Vinschgau ist eine wirklich sehenswerte Gegend.

In Mals. Einheimische gab es neben vielen Radlern auch.

Um die Mittagszeit erreichten wir das noch sehr mittelalterlich anmutende Glurns. Viel los, haufenweise Radler und solche mit dicken Reifen, Motor und Lärm. Europa macht in den heimischen Gefilden Urlaub, das war auch hier deutlich zu spüren. Nichtsdestotrotz bekamen wir ein schönes Tischchen an der Piazza und fanden für alle Bedürfnisse einen wohlschmeckenden Mittagssnack.

Dann waren noch 10 flache Kilometer zu absolvieren und wir waren in Prad, dem Talort des Stilfser Jochs. Und danach ging es bergauf. Trafoi liegt 600 m höher und diese waren auf weiteren 10 Kilometern abzuarbeiten. Selten spürbar steil kurbelte ich gemächlich bergauf, allerdings sehr warm war es im Tal, die Sonne war jetzt doch (natürlich auch glücklicherweise) sehr präsent. Das Team wartete immer mal wieder und ich kurbelte ohne Pause an ihnen vorbei, bis Trafoi erreicht war. Die ersten drei der 48 Kehren haben wir jetzt auch schon geschafft und das Hotel liegt genau auf Kehre 45. Dann sind es morgen nur noch 44, ist doch überschaubar für ein Tagesprogramm.

Hotel Madatsch bei Kehre 45.

Ein tolles Hotel: ein altehrwürdiger, etwas grimmig wirkender Steinbau von 1907, wie mir der Chef beim Einchecken erklärte. Aber aufs feinste renoviert und das Abendessen dann auch vom feinsten: 5 Gänge und nach diesem fortgeschrittenen Sportprogramm gingen die sogar in uns hinein. Ein weiterer toller Tag mit viel bester Laune bei allen Teilnehmern war wieder vorbei gegangen.