Ans Meer

Sczecin – Goleniów – Stepnica – Wolin – Miedzydroje 76 km

Erst mal wieder raus aus der Stadt. Wir waren am Vortag ja einigermaßen hinein gekommen auf zumeist zumutbaren Fahrradwegen, wollten aber Großstadtverkehr und -Lärm weitestgehend vermeiden. So reifte der Plan, mit dem Zug erst einmal heraus zu fahren und die Radeletappe ländlich beginnen zu lassen.

BRouter zeigte mir diverse Radrouten bis ans Meer an, die ich nur verbinden musste. Über die Qualität der Wege kann man aus der Karte nichts herauslesen, aber ein bisschen Abenteuer darf ja ruhig auch sein.

Wir nahmen die Bahn bis Goleniów (oder früher Gollnow), fanden aber schnell und problemlos heraus aus dem noch recht lebhaften Ort. Es gab sogar Beschilderung für die Fahrradrouten, die ich kombinierte. Allerdings nicht lückenlos, ohne Navigation hätte man ganz schön rätseln müssen.

Dann kam der berühmte Moment, an dem die Radroute in die Natur einschwenkt. Hoppeliger Waldweg. Oh je. War aber nur kurz unangenehm und rollte meistens annehmbar. Und ein Stück sehr ruhige frisch asphaltierte Landstraße war dabei, eine schöne Allee, die hätte länger sein dürfen.

So lagen die ersten 20 km doch relativ schnell hinter uns und wir erreichten Stepnica, was am „Großen Haff“ liegt. Direkt am sehr ruhigen Hafen lag ein Restaurant. Dünne Infrastruktur muss man immer nutzen, also nichts wie hinein in den schönen Biergarten. Und ein wunderschönes Glas-Fachwerkgebäude sicher noch aus der guten alten Zeit, der ostpreußischen Vergangenheit.

Glasfachwerk, ein Kleinod!

Wir fuhren weiter. Die Route führte uns zunächst durch viele Dörfer am Ufer. Meist gut bis akzeptabel asphaltiert, zwischen den Dörfern auf ähnlich schönen Alleen wie zuvor. Und – in Polen scheint man es geschafft zu haben, den üblen Pflasterbelag in den Dörfern zu ersetzen, was man vom Osten Deutschlands nicht behaupten kann.

Es kam wieder dieser Moment mit der Natur wie zuvor schon. Dieses Mal führte unser geplanter Weg nicht im Wald, sondern direkt am Wasser entlang. Und siehe da: ein kilometerlanger Schotterweg, aber rein für die Fahrradroute relativ neu angelegt und ziemlich angenehm zu fahren. Wunderschön angelegt, im Schilf verlaufend, die Schmetterlinge stiebten nur so vor uns auf und zweimal lief ein Fuchs vor uns über den Weg. Das war absolut vom Feinsten und wunderschön.

Infrastruktur ist durchaus vorhanden. Lückenlos ist sie allerdings noch nicht

So erreichten wir Wolin. Kein wirklich sehenswerter Ort, aber ein nettes kleines Restaurant wartete mit südfranzösischen Flair und Ziegenkäse auf uns. Wir stärkten uns, was sich noch auszahlen würde.

Rollte gut in schönster ruhiger Naturumgebung: die Radroute 3

Dann ging es wieder auf die Radroute in die Einöde. Komoot kannte diverse Abschnitte gar nicht und zeigte sie mir als „Off-Grid“ an. Nun gut, BRouter und Waymarked Trails kannten die Route, also los.

Oh je. Gleich der erste Abzweig noch in Wolin setzte uns auf eine sandige Piste. Die überging in ziemlich groben Schotter. Und schnell war der Grund dafür in schwerem Baugerät sichtbar: diese Route war noch im Bau und fuhren durch die Baustelle! Abschnittsweise war schon mal der grandiose Endausbau sichtbar und spürbar, hier mit gut verbundenen Fahrspurplatten. Wenn das mal fertig ist, sollte man den nochmal fahren. Im aktuellen Zustand kamen wir zum Teil nur etwas mühsam voran. Aber alles nicht so schlimm wie vor Angermünde, es ging einigermaßen voran auch auf der neuen Schotterbasis.

13 km vor dem Ziel dann ein ungutes Geräusch und ein Beinahe-Sturz von Jonathan. Ein klassischer Schaltwerkswickler, warum auch immer, geschaltet hatte er in dem Moment nicht. Vermutlich war ein Stein in den Kettenkäfig gesprungen und hatte sich verkeilt. Schaltauge und Schaltwerk waren jedenfalls grotesk verbogen.

Pannenservice im Wald. Im Bild nicht sichtbar: eine Armada Stechmücken.

Wir waren gerade mal wieder im Wald unterwegs. Was zwar schön schattig war aber wir waren in Sekundenschnelle heiß beliebt bei Myriaden von stechwütigen Monstern. Die letzten Tropfen Anti-Brumm wurden auf den ungeschützten Hautstellen verteilt und so einigermaßen geschützt das Rad auf ein Fixie umgebaut. Zum Glück hatte das Hinterrad selbst keinen Schaden genommen und wir konnten die letzten Kilometer fahrend zurück legen.

Kurz nach 19:00 kamen wir am Meer an. Es dauerte alles noch etwas, bis wir die gebuchte Ferienwohnung gefunden hatten, hineinkamen (welcher Schlüssel muss jetzt wo rein???), geduscht waren, in dem sehr belebten Ort ein Restaurant gefunden hatten, in dem es dann auch noch ewig dauerte, bis wir etwas bekamen. Aber wir konnten schon mal barfuß durch den feinen Ostseesand laufen und die erste Zehe in die Ostsee strecken. Eine schöne, abwechslungsreiche, abenteuerliche Radtour hatte wieder ihr Ende gefunden.

Am Meer!

Nach Polen

Felchow- Schöneberg – Schwedt – Gartz – Sczecin 83 km

Die Jugend setzte einen Tag aus, um gewisse Defizite wieder auszugleichen und fuhr mit dem Zug nach Stettin. Deswegen rollten wir heute zu zweit gen Norden. Zunächst ein Stückchen nach Süden, weil unser Übernachtungsort ja nicht ganz auf dem Oder-Neiße-Radweg lag. Das erste Dorf hieß Schöneberg und der Name war Programm. Die Uckermark ist nämlich wieder diese hügelige Ostsee-Endmoränenlandschaft, wo die Gletscher ganz schön Unordnung angerichtet haben. Und Hügel, die der Radler raufkurbeln muss. Und das Wetter recht unangenehm schon morgens schwül und sehr warm sollte es auch noch werden.

Dann aber! Rasant ging es ins Odertal hinunter. Das erste Wasser, was man erreicht, ist die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße. Langer Name für gemütlichen Kanal, auf dessen Deich wir auf 1A Asphalt geschoben von einem deutlichen Schiebewind so dahin rollten. Toller Radweg in wunderschöner Auenlandschaft.

An der Wasserstraße. Lauschige Situation bei Stützkow.

In Schwedt stand ein Eiswagen direkt am Radweg, den konnten wir natürlich nicht auslassen. In Friedrichsthal dann die Überraschung: Umleitung. Vorbei war’s mit dem flauschigen Dahingeroll. Hier ums Eck, dort ums Eck, Waldweg, Platten und dann zumindest ein gut rollender Asphaltweg weiter westlich. Gefühlt totale Einöde, wieder einmal deutsches Outback hier.

Die Umleitung schwenkte dann irgendwann wieder Richtung Osten, wir überquerten eine Straße und hatten einen in dieser Mittagsschwüle sausteilen Monsterhügel vor uns. Ein bisschen Schatten spendeten die Alleebäume, aber das war mal wieder einer der Momente, bei denen man sich fragen musste, ob man denn nicht plemplem ist.

Da waren wir oben. Sieht man natürlich wieder nicht auf dem Bild, wie steil das war.

Wir erreichten dann viel später als erwartet Gartz. Mit Hunger, für den wir die Pommernstube fanden. Sehr gute lokale Küche mit Kräutern direkt aus dem mit viel Liebe angelegten Gärtchen. Überhaupt: eine große Voliere war am Haus, Perlhühner und Sittiche darin, Meerschweinchen mit putzigen Jungen in einer Unterabteilung und Miniziegen nebenan.

Lustige Tier-Außenanlagen bei der Pommerstube in Gartz.

Es ging weiter am Fluss und durch wildeste Natur. Mitten im Grünen war die Grenze nach Polen. Die Wege waren mit Bauzaunelementen zu – warum das denn? Wir änderten das und betraten Polen.

Die Wege hier waren auf keinen Fall schlechter als auf der deutschen Seite. Beschildert war zwar nix so richtig, aber wir hatten unsere Route dabei. Und bald kamen wir in den Einzugsbereich von Stettin, das erste, was am Wegesrand bzw. am Straßenrand zu sehen war, war ein riesiges Amazon-Logistikzentrum. Was vermutlich ganz Ostdeutschland beliefert zu billigeren polnische Löhnen und schlechteren Arbeitsbedingungen.

Schönes Feldsteinkirchlein in Polen.

Die Fahrt ins Zentrum von Stettin hinein war dann zwar recht abenteuerlich, aber man hat schon schlimmere Städte in ihren Außenbezirken durchquert. Immerhin gab es eine durchgängige Fahrradroute, wenn auch der Zustand stark schwankend war.

Aaargh!

Ein 12%-Hügel in der Vorstadt stellte sich uns noch einmal in den Weg (Frechheit), aber dann war das Hotel schnell erreicht. Zum Abendbrot versorgte uns ein angenehmes kleines Restaurant und ich unternahm danach noch einen kleinen Spaziergang an die schönen Orte, die hier durchaus vorhanden sind. Meist eine bunte Mischung aus gut sanierter preußischer Bausubstanz, etwas verlotterten alten Gebäuden und sozialistischer Platte. Leider sehr verkehrsverseucht mit haufenweise polnischen PS-Protzern. Die Mobilitätswende scheint hier noch kein Thema zu sein. Nichtsdestotrotz sehr interessant, eine polnische Stadt diese Größe etwas kennenzulernen!

In Stettin am Heumarkt. Schon auch schön!

Durch die Schorfheide

Liebenwalde – Marienwerder – Angermünde – Felchow 77 km

Unsere Herberge war hübsch, aber leider sehr laut an einer Bundesstraße gelegen. Liebenwalde selbst wäre ein sehr hübscher Ort mit fast geschlossener Bebauung aus dem 19. Jahrhundert rund um den Marktplatz, aber offensichtlich leidet der Ort sehr gerade unter dem heftigen Schwerverkehr, der hier eigentlich mit Tempo 30 durchrollen sollte, woran sich viele aber höchsten pro Achse dran halten. Aber ein sehr nettes Frühstück bekamen wir im Innenhof serviert. Dort nervt der Verkehr auch kaum, eine schöne Entschädigung.

Liebenwalde. Schön, aber auch hier stehen haufenweise Automobile rum.

Los ging es und zunächst führte uns unsere Route am Finowkanal entlang. Sehr schattig, ruhig und angenehm wieder viele Kilometer durch den Wald. Buchen stehen hier plötzlich in großer Anzahl in den Wäldern, wofür die Gegend auch bekannt ist. Das gehörte wohl schon zum Weltnaturerbe „Buchenwald Grumsin“, was wohl eines der größten geschlossenen (Buchen-)Waldgebiete bundesweit ist.

In Marienwerder stoppten wir, da uns der Wirt zurief, dass bei ihm das letzte Bier vor dem Nordkapp erhältlich sei. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, ein frühes Radler kann kein Fehler sein. Sehr launig, der so genannte „Schleusengraf“, der seinen Biergarten vor einem urigen alten Feldstein-Gewölbegebäude betreibt. Ein älterer Herr aus dem Dorf kam noch dazu und beide hatten gut was zu erzählen.

Das nächste Highlight wartete dann bald auf uns: Wir fuhren am schönen Werbellinsee entlang und wir hatten wieder einmal eine schöne Badestelle. Das Wasser war sehr klar – die meisten Seen hier sind eher etwas grünlich-trübe.

Am Werbellinsee.

Danach fing die Landschaft an, deutliche Wellen zu schlagen. Man kurbelte schon mal ein paar Minuten bergauf, um dann rasant kurvig wieder die Waldhügel hinunterzudonnern. Wir sammelten heute auch fast 300 Höhenmeter, zuletzt war diese Zahl kaum dreistellig gewesen.

Irgendwer musste einen Radroutenschalter betätigt haben. Wir überquerten die A11 und danach wurden unsere Verbindungen katastrophal schlecht. Schotter, Sandlöcher und Pflaster – ein Gravelparadies, aber der Rollerasphalt der letzten Tage war mir dann doch lieber. Vor allem dem wenig erfahren Team machte die Hitze und der Sitzfleischzustand sowieso schon Kummer. Und dann noch eine solche Holperstrecke und kein Land in Sicht. In Groß Ziethen erreichten wir das Besucherzentrum des Geoparks „Eiszeitland“ (daher kommen auch die Hügel). Leider hatte es erst ab Mittwoch – dem Folgetag – geöffnet, so lange wollten wir nicht warten. Ein freundlicher Herr in einem Garten nebenan rettete uns dann aber doch vor dem Verdursten mit frischem Wasser für unsere Flaschen.

Um dem Geholper ein Ende zu setzen, nahmen wir den Radweg an der Bundesstraße. Bester Asphalt wieder, nur hörte er 6 km vor Angermünde abrupt auf. Dieses sehr deutsche Verkehrsschild „Radweg Ende“ – hier war es sehr üble Realität. Wir hatten die Wahl für Holperstrecke mit Umweg oder ein paar Kilometer Bundesstraße. Die Entscheidung fiel für letzteres, was aber ziemlich übel war. Viele LKW, die allermeisten überholten sehr vernünftig, einer zog fürchterlich knapp an uns vorbei.

Letztlich überlebten wir auch das und erreichten Angermünde. Ein sehr schöner Ort und wir fanden auch ein sehr nettes Restaurant, was uns vorzüglich verpflegte.

Angermünde, ein sehenswerter Ort!

Ein weiteres Bad im dortigen Mündesee und ein kleiner Umweg über die Bundesstraße vermeidende Ortsstraßen durch der schöne Gegend führten uns nach Felchow und dem dortigen Landhotel, unserem Ziel. Endlich einmal ein wirklich ruhiger Ort.

Rein in die Stadt, raus aus der Stadt

Griebnitzsee – Wannsee – Kladow (Fähre) – Spandau – Hennigsdorf – Oranienburg – Liebenwalde 83 km (5 per Fähre)

Oh je, Regen! Frühmorgens hatte es tatsächlich einen Guss gelassen, sodass die wunderschön am Griebnitzsee gelegene Hotelterrasse ganz nass war und wir drinnen frühstückten. Das Wetter machte aber nicht ernst und wollte wohl nur ein wenig spielen. Bei Abfahrt kam ordnungsgemäß die Sonne heraus und die wenigen Kilometer bis zum Fähreanleger in Wannsee waren schon wieder einigermaßen schweißtreibend.

Hier nahmen wir erst mal die Fähre auf die ruhigere Ostseite des Wannsees. Ein kleines Bötchen, mit klarer Linie wurden die Fahrradfahrer vom Käptn angewiesen, wie zu verfahren sei. Swen durfte als erster aufs Boot und seinen Wolf unter skeptischen Blicken des Bootschefs verstauen. Aber oh je – der Spiegel verhakte sich, löste sich von seinem Kugelgelenk und fiel in den Wannsee.

Rettungsaktion für den Rückspiegel.

Zum Glück schwamm er. Und mit vereinten Kräften mit einer Pütz vom Käptn und Swen auf dem Bauch nach unten greifend konnten sie ihn wieder aus dem See fischen. Das dürfte der erste Wolf sein, dessen Spiegel eine Taufe im Wannsee erhalten hat.

Der Weg führte uns noch durch deutlich großstädtisch geprägte Gegend. Zwar zumeist ruhig direkt am Wasser entlang, aber immer wieder kam man an lärmige Straßen hinaus. In Spandau dann waren wir mittendrin – vor allem weil wir ein Fahrradgeschäft suchten, mussten wir weg vom Radweg und mittendrin in den Großstadtverkehr.

Das nächste Ziel war dann ein Badestopp an der Bürgerablage Spandau – so heißt der Platz, echt. Das hatte uns Oliver schon letztes Jahr gezeigt, da waren wir aber nur im Biergarten. Dieses Jahr nutzten wir den schönen Platz für ein Bad.

Immer wieder tolle Badestellen an der Havel mit schön Sandstrand.

Wir kamen wieder ins Brandenburgische. Die Einsamkeit und die grüne Natur umfingen uns wieder mehr und mehr. Wunderschöne kilometerlange Waldwege, gut asphaltiert – man heißt uns Radler sehr willkommen hier. In Oranienburg sprangen wir wie letztes Jahr an der schönen Badestelle in den Lehnitzsee. Abendbrot gab es auch gleich auf der Terrasse der „Marina“.

Schwarze Wolken hatten schon eine ganze Weile mit Niederschlag gedroht, auf den letzten 20 km nach Liebenwalde war es dann so weit. Wieder mal Regen. Allerdings dieses Mal wirklich harmlos, nach 10 Minuten war er durch – die Regenjacken waren nicht mal komplett nass geworden.

Am Zielort Liebenwalde. Die Kirche ist von Schinkel!

Auf dem Deich

Brandenburg- Schmergow – Werder/Havel – Potsdam 69 km

Was für ein Ferientag. Zweimal Eis, zweimal Baden, einmal Mittagssnack. Bei richtig sommerlichem Wetter.

Wir verließen Brandenburg und die lustigen Waldmöpse bei schönstem Sonnenschein. Schon das sonnige Frühstück auf der Hotelterrasse war am Ende doch fast zu warm gewesen in der Sonne. Aber mit der nasskalten Erfahrung vom Freitag sind wir natürlich sehr glücklich, wenn wir endlich eine Sommerradtour machen dürfen.

Ein Waldmops. Eine ausschließlich in Brandenburg an der Havel endemische Art.

Die ersten Kilometer nach Brandenburg waren eher so übliche deutsche Vorstadtszene mit Bundesstraße und Shoppingmalls. Leer natürlich, weil Sonntag, aber nicht unbedingt hübscher deswegen.

Allerdings immer auf gutem Radweg. Und als dieser wieder in die ruhige Brandenburger Natur einschwenkte, blieb es bei dieser zumeist sensationell guten Situation. Meistens fuhren wir heute auf dem Haveldeich entlang, der überwiegend top asphaltiert war. Was viele Rennradfahrer und sogar Inlineskater bezeugten. Also fast velomobiltauglich, dieser Weg, wenn nicht ein paar sehr bescheuerte Drängelgitter gewesen wären.

Es war ganz schön was los an diesem Sonntag. Wir merkten die Nähe zu Berlin, das sich an diesem schönen Sommertag in großer Anzahl in die brandenburgische Natur ergoss. Radler ohne Ende. Was auch in Schmergow im dortigen Eiscafé (was auch die einzige besuchenswerte Institution in diesem Dorf war) zur Komplettbesetzung der Terrasse führte, nachdem eine lustige Radlergruppe mit meist etwas älteren Damen kurz nach uns angekommen war.

Radlerhorden heute!

Direkt hinter Schmergow fanden wir das erste lauschige Badeplätzchen und nutzten es. Sehr flach, die Seen hier, wir fanden nicht aus dem Nichtschwimmerbereich heraus.

Danach war Werder an der Havel nicht mehr weit. Schönes Altstädtchen, auf einer kleinen Insel gelegen. Das Team war etwas ungeduldig, aber ich bestand auf den Abstecher auf die schöne Insel. Wir fanden ein bezauberndes kleines Restaurant mit „brandenburgischen Tapas“ bei „Fritz am Markt“. Toll, was die sich ausgedacht hatten. Zum Beispiel knusprige Tranchen vom Huhn mit einer Polenta an Brombeergel und einem Krüstchen aus salzigen Popcorn. Sagenhaft.

Popcorntopping. Hatte ich so noch nie, war aber ganz vorzüglich.

Dann war Potsdam nicht mehr weit. Zwischenzeitlich sprangen wir noch einmal in den Petziner See. Bis fast vollständig mitten hinein nach Potsdam verlief der Havelradweg direkt am Wasser völlig verkehrsfrei und daher sehr angenehm . Viel Ausflügler, aber ansonsten super ruhig.

Badeplatz am Petziner See.

In Potsdam enterten wir sofort das Eiscafé am dortigen Brandenburger Tor. Ja, heißt auch so, ist allerdings etwas bescheidener in den Ausmaßen. Wir drehten danach eine kleine meist holprige Runde ins holländische und ins russische Viertel, bevor wir die Glienicker Brücke überquerten und die letzten Kilometer zu unserem Hotel am Griebnitzsee zurücklegten. Die zwischen bemerkenswerten Villen durchführten, offensichtlich nicht die ärmste Ecke von Potsdam bzw. Berlin.

Blick von der Hotelterrasse. Da kann man sich schon wohlfühlen.

Am Wasser entlang

Rathenow – Milow – Kützkow – Briest – Brandenburg an der Havel 68 km

Hurra, die Sonne war wieder herausgekommen und der Wetterbericht versprach einen schönen und trockenen Tag. Nix wie raus aus Rathenow, ist ja doch eine größere Ansiedlung mit viel lautem Verkehr und ein so richtig schöner Ort war es nicht.

Die ersten Kilometer verliefen zum Teil auf heftig rumpelnder alter DDR-Platte. Ich hatte schon die größten Bedenken, dass es jetzt vorbei sein könnte mit den guten Rolleigenschaftens des Havelradwegs, aber nach kurzer Zeit hatten wir wieder die sehr gut rollenden modernen Platten. Darüberhinaus führte der Radweg jetzt oft direkt an der Havel entlang – sehr schön. Viel los heute, am Samstag. Gefühlt halb Berlin war offensichtlich mehr oder weniger alkoholisiert auf Hausbooten unterwegs.

Rumpelplatten. Badamm, badamm, badamm…..

Wir waren recht spät gestartet, sodass der erste Stopp schon gleich die Mittagspause war. In Kützkow gab es einen Straußenhof. In der angeschlossenen Gastwirtschaft „Zum Nussbaum“ konnte man das sehr leckere Fleisch aus diesen für unsere Gegend eher ungewöhnlichen Tieren genießen. Oder hausgemachter Matjes, der auch sehr gut war.

Danach durften wir Fähre fahren – nach Pritzerbe wurde die Havel das erste Mal auf einer Kettenfähre überquert. Im Vergleeich zu unseren Bodenseefähren sehr putzig.

Fähre Kützkow – Pritzerbe

Es wurde warm, und wir suchten einen Badeplatz. In Briest wurden wir fündig und sprangen in die Havel. Nicht ganz optimal, viele Wasserpflanzen, aber ein sehr nettes Fleckchen am Ufer. Und sogar ein Eiscafé direkt vor Ort, was wir selbstverständlich auch nicht ausließen. Von einem Zwillingspaar zweier etwas in die Jahre gekommenen Damen mit exakt gleicher Knotenfrisur im langen Lockenhaar betrieben, sehr nett.

Badeplatz an und in der Havel. Sogar mit Treppchen und Geländer.

Weiter ging es Richtung Brandenburg. Plötzlich waren da Baustellenampeln und ein brandneuer Fahrradweg an der Seite der Straße, der stellenweise noch nicht komplett verbunden war. Dadurch war die Straße allerdings sehr ruhig, was unter anderem auch an der Vollsperrung lag. Die für uns Radler keinerlei Hinweise auf eine Umleitung enthielt und man dann tatsächlich an einer straßenbreiten Baustelle landete. Es waren gerade einige Radler zugegen, die dasselbe Hindernis überwinden mussten – die Räder mussten durch die sandigen Hügel der Baustelle gezerrt werden. Schwierig, aber mit vereinten Kräften ging das und keiner landete im Bach.

Gemeinsames Geochse durch die Baustelle.

Der Radweg umrundete auf wirklich schöner waldiger Strecke die zahlreichen Seen südlich von Brandenburg, was schön rollte, aber sich dann doch etwas zog. Gegen 18:30 waren wir dann aber im schönen Brandenburg an der Havel angekommen, wo wir direkt am Altstadt-Marktplatz logieren.

Im Havelland

Rühstädt – Havelberg – Schollene – Rathenow 68 km

Der Tag begann im Schlosshotel mit klassischer Musik und Ambiente. Tolle Location, die über 200 Jahre fürstliche Vergangenheit atmete. Begleitet von Storchengeklapper: Rühstädt gilt als DAS Storchendorf – auf den Häusern befinden sich zahlreiche lebend gefüllte Storchennester. Am Vorabend waren wir bei einem Verdauungsspaziergang sehr beeindruckt ob der schieren Anzahl, Wo man auf die Giebel schaute – Störche!

Das Schlosshotel in Rühstädt. Tolle Location.

Trotz all dieser schönen nicht radgebundenen Gegebenheiten ging es dann irgendwann los auf unsere erste richtige gemeinsame Etappe. Wir sind jetzt zu viert: mein Herzallerliebster, seine Tochter und deren Herzblatt machen uns gemeinsam auf, die Welt auf jeweils zwei Rädern bis zur Ostsee zu erobern.

Störche allenthalben. Der ist echt!

Die Wetterprognosen für diesen Tag waren eher feucht. Nichtsdestotrotz war es zum Glück trocken, als wir losradelten. Wieder sehr schön hier – Auenlandschaft mit Magerwiesen, knorrigen Weiden und Schafen oder Kühen, die die Bäume klein halten. Die ersten Deichschafe waren zu bewundern. Die bekanntermaßen ein kürzeres und ein längeres Beinpaar haben. Oder warum stehen die so gerade auf dem Deich?

Es rollte. Super Belag und Rückenwind, was will man mehr. Wir erreichten bald Havelberg und es sah nach Regen aus. Das erste Café am Platz war unseres und genau richtig für ein zweites Frühstück. Eine sehr badisch sprechende Dame vom Kaiserstuhl bediente uns. Sie war hierher übergesiedelt weil ihr das Leben im Süden zu teuer geworden war und schön ist es hier ja auch.

Wi fuhren bei trotzdem bald weiter, es regnete höchstens so leise weinend und hörte auch immer wieder mal auf. Und genau wie zuvor rollte es super, die Kilometer flogen nur so dahin. Gut für unsere beiden Radtouren-Newbies, das soll ja nicht frustrieren am Anfang.

Bei Gnevsdorf, da mündet die Havel in die Elbe. Wir folgen der Havel.

Gegen km 50 sah es dann aber sehr düster am Himmel auf. Mehrheitlich fiel die Äußerung, dass man jetzt doch eine Gaststätte begrüßen würde. Kaum geäußert, erreichten wir die Ortschaft Schollene (Betonung auf dem ersten „e“) und die dortige Linde. Nix wie rein.

Eine richtig urige Dorfbeiz hatten wir erwischt. Die Einrichtung hatte etwas verblichenen Charme, alles eher zweckmäßig mit PVC-Boden und kopierten Ölgemälden, aber offensichtlich ein echter Treffpunkt, wo das halbe Dorf beisammen saß und wir dann mittendrin. Und kaum saßen wir drin, fing es an zu schütten, dass es nur so platschte. Und wollte nicht wieder aufhören. Wir speisten und es schüttete. Wir liehen uns Karten und spielten mindestens eine Stunde „Siebzehn und vier“ und es schüttete. OK, dann blieb uns eben doch nichts anderes übrig als volles Regenzeug und die letzten 15 km (wir nahmen die Abkürzung über die Landstraße) in diesem kräftigen Regen mitzunehmen.

Man überlebt es dann doch immer wieder. In Rathenow hatten wir das gebuchte Hotel schnell gefunden und schon als wir noch draußen vor dem Eingang standen, kam schon die Dame des Hauses hinaus und bot uns alle Hilfe an, die man als nasser Radler so braucht: Unterstand für die Räder, Trockenraum fürs Regenzeug und ein schönes große Zimmer, in dem man an der Badezimmerheizung die nassen Sachen trocknen kann. Beim besten Italiener am Platz ließen wir diesen wenn auch nur mental harten Tag opulent ausklingen und waren wieder versöhnt mit der Welt.

Durch die Altmark

Wittingen – Salzwedel – Arendsee – Wittenberge – Rühstädt 114 km

Das etwas laute Hotel an der Bundesstraße verließ ich recht früh. Schon vor halb neun war ich wieder auf der Piste. Hatte ich doch heute eine Verabredung: Um 16:00 sollte die Familie sich in Wittenberge an der Elbe einfinden. Bis dorthin hatte ich „nur“ noch 95 km zurückzulegen. Sollte also kein Problem sein.

Wittenberge liegt ja direkt an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Man betritt hier den Landkreis Altmark-Salzwedel, und Altmark heißt das Gebiet hier. Sehr ruhig! Mal wieder konnte man spüren, dass die grenznahen Gebiete in der ehemaligen DDR systematisch ausgedünnt wurden, was bis heute spürbar ist. Die Dörfer waren plötzlich ganz winzig mit wenigen Häusern, viele davon dazu noch ziemlich verfallen.

Auf dem Dorf.

Die Straßen auch menschenleer. Allerdings oft in gutem Zustand. Was man von den Radwegen wie üblich oft nicht behaupten konnte. Baumwurzeln, Schlaglöcher, Risse und haufenweise Geäst und Dreck. Nun gut, die ersten Stunden begegneten mir keine 10 Autos. Deswegen blieb ich oft auf der manchmal sehr schmalen Straße. Nur einmal wurde ich wütend mit lautem Gehup knapp überholt. Als ich im nächsten Dorf das Auto Nest Fahrer plaudernd auf dem Dorfplatz stehen sah, fuhr ich hin und wollte Verständnis schaffen. Der hörte mir nicht mal zu. Wütend riss er zweimal seine Tür auf und schleuderte mir irgendwas entgegen – ich kam nicht dazu, selbst etwas zur Erklärung beizutragen. Offensichtlich sitzt er selbst nie auf dem Fahrrad und wird durchgerumpelt.

Nun gut, nix zu holen. Also bin ich weiter. Trotzdem auf der Straße. So ruhig ist diese Gegend! Kein Fabrikgesumme, Baustellenlärm, selten ein Traktor. Dafür Vogelgezwitscher, was in den Kiefernwäldern wie im Konzertsaal hallte. Einmal hopste ein Reh vor mir in den Acker, ein anderes Mal huschte ein Fuchs über den Weg.

Bald erreichte ich Salzwedel. Hier waren wir ja schon vor zwei Jahren auf unserer Grenzradtour durchgekommen. Und wieder landete ich wie magisch angezogen im Café Krüger. Ist aber auch ein zu schöner Kaffeegarten. Und dieses Mal nahm ich ein Portiönchen Baumkuchen, wofür Salzwedel ja berühmt ist.

Salzwedel. Und der Kirchturm ist doch krumm!

Derart gestärkt ging es weiter gen Osten. Immer schön auf dem Altmark-Rundkurs, also ein ausgeschilderter Radweg, aber jetzt waren wieder ab und zu Pisten dabei. Zum Glück gibt es jetzt offensichtlich schon oft den Rollstreifen nebendran, der zumindest fein geschottert ist. Üble Rumpelstrecken gab es zwar auch, aber meistens nicht lange.

Ich erreichte den Arendsee. Das erste Zipfelchen Seeufer, was ich erblickte war auch gleich ein Fleckchen schöner Sandstrand. Da es zwar bedeckt, aber gut warm war, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und sprang ins Wasser.

Schöner Strand am Arendsee.

Am anderen Ende des Sees war ein schöner Biergarten, den ich auch noch mitnahm. Gestern war ja ein wenig infrastrukturschwach gewesen, sodass ich heute die Gelegenheiten nicht ausließ.

Bis Wittenberge war es jetzt nicht mehr weit und ich lag gut in der Zeit. Ich dachte schon darüber nach, was ich so die zwanzig Minuten machen würde, die ich jetzt übrig hätte, da war es auch schon um sie geschehen. Normalerweise verläuft der Radweg von Süden auf der Eisenbahnbrücke auf deren Ostseite. Da stand ich zunächst vor einer Absperrung, die ganze Brücke ist gerade Baustelle. OK, zurück und um die Ecke geschaut – ich musste wenigstens nicht kilometerweit den Umweg über die Bundesstraße nehmen. Auf der Westseite war eine Behelfsbrücke angebracht, aber erstens war das Fahren verboten und zweitens wäre es auch nicht gut gegangen über die Gitterroste und Stahlplatten. Die Brücke hat allerdings eine Gesamtlänge von mindestens einem Kilometer, sodass ich eine Weile beschäftigt war. Und am Ende war der Ausgang auch nicht gut beschildert, sodass ich erst mal in der Sandgrube landete. Naja, danach erreichte ich den Bahnhof in Wittenberge ein paar Minuten nach vier und mein Herzallerliebster war schon da.

Kilometerweites Geschiebe über die Elbe.

Den Rest der Familie trafen wir beim Italiener und anschließend rollten wir gemeinsam nach Rühstädt, wo ich zur Feier des Tages im Schlosshotel für uns alle reserviert hatte. Jetzt ist’s vorbei mit dem Gerase, die nächsten Tage ist Wellnessetappe angesagt!

Im Wald und auf der Heide

Pattensen – Sehnde – Lehrte – Uetze – Meinersen – Gamsen – Wahrenholz – Hankensbüttel – Wittingen 114 km

Der Tag versprach freundliches Wetter. Da nurmehr ziemlich genau 200 km bis zum Treffpunkt übrig waren, ging ich den Start nicht so ehrgeizig an und war gegen neun Uhr wieder auf der Piste.

Der Speckgürtel von Hannover war sehr spürbar. Die ersten Kilometer rollte ich neben viel lärmiges Verkehr her und richtete mich auf sehr viele ähnliche Kilometer heute ein. Aber nicht die Bohne – irgendwann schwenkte meine Route in einen Feldweg ein und ich hatte den ganzen Tag wieder zumeist sehr ruhige Verbindungen.

Sehr flach inzwischen, die Lande hier. Die Durchschnittsgeschwindigkeit wurde im wesentlichen vom Straßen- oder Wegebelag bestimmt. Und da war wieder einmal alles dabei – vom flüsterleisen Flugasphalt bis zum Holperpiste-Hopseweg par excellence. Viel Schotter oder Sandpiste war heute dabei, aber zum Glück meist sehr gut fahrbar.

Die erste Unterbrechung des Dauerrollens war in Müllingen. Hier stand an der Dorfkreuzung ein putziges kleines Häuschen mit dem hier üblichen reich verzierten Balken überm Eingang. Eine freundliche Verkäuferin lugte aus dem Fenster und lud mich in den Dorfladen ein. Eine Laugenstange mit ordentlich Butter ließ ich mir geben und fuhr weiter durch dieses putzige Dorf.

Der Dorfladen in Müllingen

Gefühlt Stunden später – die ersten 40 km waren fast schon weg sah man plötzlich reetgedeckte Lehmhäuser. Es handelte sich um en ehemaliges Freilichtmuseum und Naturschutzzentrum, was aber völlig verlassen vor sich hindümpelte. Schade, da gab es natürlich keinen Kaffee oder so – die Gebäude waren alle abgesperrt, aber zumindest konnte ich meine Laugenstange mal verdrücken.

Eigentlich eine tolle Sache, die man leider verfallen lässt: das Freilichtmuseum Grafhorst

Dann kam so langsam die Mittagszeit. Ein Biergarten oder ähnlich wäre jetzt mal angesagt gewesen. Ich fuhr und fuhr und fuhr, 60 km, 70 km, 80 km – und es kam – nichts. Nur Wald, Wiesen, ab und zu kleinere Weiler mit ausschließlich Wohnbebauung.

Der Nachmittag war also noch jung, wenn ich so weitermachte, würde ich am frühen Nachmittag in Wittingen ankommen, wo es vermutlich auch nichts zu entdecken gab. Glücklicherweise hatte ich am verlassenen Freilichtmuseum mit zwei älteren Herren geplaudert, die mir wegen meines Zielorts das Otterzentrum in Hankensbüttel wärmstens empfahlen. Mitten im Wald (mal wieder) plante ich meine Route um, auf dass der heutige Tag wenigstens noch etwas Abwechslung böte.

Im Wald, ein schmaler, gut rollender Radstreifen nebendran. Gab es heute öfter.

Das war jetzt eher eine Straßenroute, aber alles mit Radweg. Gegen 16:30 kam ich bei den Ottern an. Es handelt sich um ein Freigehege, in dem die verschiedensten Marderarten sehr naturnah gehalten werden. Alle Viertelstunde wird eine andere Art gefüttert, an bekommt wissenswertes über die Tiere mitgeteilt und man kann sie beobachten. Ich hatte das Vergnügen, Iltisse und Nerze zu erleben, die Otter waren leider auf Renovationsurlaub. Und zum Schluss noch zwei veritable Dachse, die schnaufend auf ihrem Hügelchen auf und ab rannten, um das von den Pflegerinnen verteilte Futter im hohen Gras wiederzufinden. Super! Ich schmolz dahin wie Butter in der Sonne bei all den possierlichen Kerlchen.

Ist er nicht… ? 😉

Nach einem diesen Besuch abrundenden Radler waren noch 8 km bis zum reservierten Hotel zu absolvieren – das ging dann auch noch. Wittingen ist nicht so der attraktive Ort, also alles richtig gemacht mit den Ottern & Co.

Immerhin – lustige Skulpturen am Marktplatz in Wittingen.

Über die Kante

Helmern – Löwendorf – Lügden – Hameln – Springe – Pattensen 126 km

Nachdem ich auch bei Biggi wieder aufs fürstlichste verpflegt worden war, rollte ich gegen neun aus dem Rittergut Helmern hinaus. Leider durch den Hintereingang, ich hätte ja ganz gerne noch mal ein Frontalportrait der kleinen Burg geschossen, aber – anyway.

Erstaunlich hügelig ist die Gegend hier. Wir im Süden vermuten solch mittelgebirgsähnliche Zustände im für uns hohen Norden nicht mehr, aber das war fast wie im Allgäu hier. Wunderschöne lauschige Gegend, mir fiel spontan der Begriff Märchenfilmkulisse ein. Hügelchen, Laubwald, knorrige Eichen, Bächlein. Tiere hier und dort – Pferde, Kühe, Schafe, Ziegen, bestimmt auch ein paar verborgene Frösche, die auf den Kuss warten, um dann im Schloss auf dem Hügel endlich ihrer glitschigen Gestalt entflohen zu sein und ein wahres Prinzendasein führen zu dürfen.

In Brakel. Gleich kommt der Prinz mit seinem Gefolge um die Ecke.

Ein bisschen Anstieg war mir dann auch angedroht worden. In Löwendorf solle man dann „oben“ sein und von dort aus nur noch hinunterrollen ins norddeutsche Tiefland. Also einmal noch über die Kante.

Leider regnet es ja hin und wieder auch in Märchenfilmen. Und tatsächlich fing es erst an zu tröpfeln, dann wurde so nach und nach die Straße nass. In Vörden verpackte ich alles regendicht und zog zumindest mal die Regenjacke an. Weil – es ging ja noch ein wenig bergauf, mit Regenhose wäre das sehr warm geworden. Was es auch mit der Jacke schon war, die letzten ca. 5 km hügelauf.

Geschafft – Kante erreicht.

Aber alles nicht so wild, das hatten wir bald. Nur blöd, dass der Regen wieder stärker wurde. Also auch noch die Regenhose an. Und runter ging es jetzt, holladiewaldfee! Klatschte mir der Regen ins Gesicht! Aber ich hatte keine Lust, zu warten und unterzustehen, deswegen fuhr ich stoisch weiter.

Bevor es dann richtig ungemütlich wurde, war zum einen Lügde mit nennenswerter Gastronomie am Weg, zum anderen sowieso Mittagspausenzeit. Ich fand einen trockenen Platz für den Wolf und ein trockenes Restaurant am Marktplatz für mich. Es gab Linsensuppe, genau das richtige in einer solchen Situation.

Und tatsächlich hatte es danach aufgehört und ich konnte ohne Regenrüstung weiter fahren. Prima rollte das, meistens auch noch gut von Rückenwind geschoben. Leider immer mal wieder an einer lauten Straße, Schluss mit Märchenfilm hier.

Ein Stück Weserradweg brachte mich dann wieder ruhig nach Hameln. Tolle Stadt. Auch hier gönnte ich mir ein Päuschen bei Strawberry-Cheesecake und Kaffee.

Windmühle an der Weser.

So langsam verschwanden die Hügel in die Ferne, das Land wurde immer flacher. Ich rollte und rollte. Einmal wurde ich allerdings jäh ausgebremst: am Radweg an der B217 in einer Senke war auf eine Länge von gut 200 Metern der gefühlt halbe Acker ausgespült und befand sich jetzt als schmierige bis zu 10 cm tiefe Matscheschicht vor mir. Mühsam balancierte ich durch eine Autoreifenspur, einmal hätte ich mich allerdings fast in die Matsche gelegt und konnte Rad und Fahrerin gerade noch halten. Wir sahen aus danach! Dicke Matscheflatschen unter anderem auf der Vorderbremse, die aber zum Glück klaglos ihren Dienst tat.

Nicht lustig. Kaum fahrbar, so tief war dieses Schlammbad zum Teil.

Kurz vor Bennigsen warf ich die Suchmaschine von Booking.com an. Die Linde in Pattensen wurde es. Nettes Städtchen, in dem ich auf der Piazza bei Anno gut verköstigt wurde.