Bad Wimpfen statt Barcelona

Es war ja noch Urlaub übrig. Unternehmungsgeist war auch genug vorhanden. Und letztendlich eine Ausflugsidee, bzw. eine Entscheidung für ein Ziel, was mir ja immer am schwersten fällt. Ideen habe ich ja immer hunderte…

Der @mikelbower, inzwischen guter Twitterfreund von mir, ist ja dem einen oder anderen als Lyrik schreibender Twitterer bekannt. Dass er auch viel und gerne mit dem Rad unterwegs ist, trifft sich in meinem Fall gut: so verabredeten wir uns zum #CycleTweetup im Neckartal. Das Ziel sollte Bad Wimpfen sein, dort war mit dem @Thomas_Michl dann noch ein Treffen ausgemacht. Statt der gerade stattfindenden re:publica veranstalteten wir als unser eigenes re:neckaria 😉

Burgen und pittoreske Orte. Schön, im Neckartal.

Burgen und pittoreske Orte. Schön, im Neckartal.

Gesagt, getan. Am Montag früh brach ich mit meinem birdy und einem bahn:bonus-Fahrschein auf, um zunächst nach Heidelberg zu fahren. Dort sollte ich Michael in der S-Bahn treffen und ab Neckargemünd wollte wir dann flussaufwärts radeln. Ab dort verläuft der Radweg nämlich ruhig auf der straßenfreien Seite des Neckars – und die ganze Strecke nach Bad Wimpfen wäre auch recht lange gewesen.

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Der @mikelbower auf der schwer beeindruckenden Fußgänger- und Radlerbrücke bei Zwingenberg

In Neckargemünd planmäßig ausgestiegen setzen wir uns dann auch sogleich (OK, einige Wegfindungsirritationen im Fünf-Minuten-Bereich überwindend) auf die geplante Neckarseite auf den schönen, ruhigen Radweg. Das Wetter zeigt sich von seiner allerschönsten Seite: strahleblauer Himmel und die Sonne lachte von demselben als wäre es nie nasskalt gewesen. So radelten wir an eindrucksvollen, das Tal überblickenden Burgen oberhalb bewaldeter Hänge und pittoresken Orten am wunderschön mäandernden Neckar entlang. Grünexplosion allenthalben. Immer wieder Waldstücke voller Bärlauch, der gerade erblüht duftenderweise alles gab – berauschend!

In Eberbach kehrten wir ein und wurden mit Krustenbraten und Radler verwöhnt. Die Unterhaltung war gut: im zu sanierenden Haus gegenüber versuchten zwei Handwerker in offensichtlich unbequemer Position irgendwelche Kabel durch irgendwelche zu engen Löcher zu fummeln – heftige Diskussionen darüber, wer jetzt schuld daran war, dass das nicht funktioniert, im lokalen Dialekt inklusive.

Danach weiter mal rechts- mal linksrum, so wie der Fluss das eben vorgegeben hat. Die Landschaft wurde ein wenig weiter, ganz so tief eingeschnitten ist das Tal hier nicht mehr. Dennoch weiterhin frisches Grün und ein wunderbarer ruhiger Radweg, zum Teil sogar ganz frisch asphaltiert.

Kurz vor Mosbach machte mein linker Achillessehnenfuß aber wieder so viel Ärger, dass ich vorschlug, den Rest bis Bad Wimpfen mit der Bahn zurückzulegen. Es war offensichtlich noch nicht wirklich wieder erholt und tat nach den etwas über 50 km inzwischen wieder höllisch weh. Aber ruckzuck hatten wir eine Bahn.

In Offenau ging es dann noch einmal für wenige Kilometerchen zunächst über den Neckar und dann den steilen Hügel hinauf, auf dem Bad Wimpfen über das Neckartal thront. Zur perfekten Kaffeezeit konnten wir in der wunderschönen Asphalt genau einen solchen nebst zugehörigen Erdbeerkuchen verzehren.

Der blaue Turm, das Wahrzeichen Bad Wimpfens.

Der blaue Turm, das Wahrzeichen Bad Wimpfens.

Bald kam wie verabredet der @Thomas_Michl dazu, seines Zeichens – neben zwei anderen Jobs, die er derzeit vertretungshalber auch noch macht – Kulturamtsleiter der Stadt Bad Wimpfen. Der kennt sich natürlich aus! Und gab uns auch auf unterhaltsame Weise in einer kleinen Führung durch dieses wirklich schöne Stück Erde einiges davon preis – wir durften sogar in ein paar Gebäude außerhalb der Öffnungszeiten hinein. Sehr interessant, das alles, handelt es sich doch um die besterhaltene staufische Kaiserpfalz nördlich der Alpen (OK, zur Zeit der Errichtung waren’s nur Könige gewesen). Gebäude noch aus dem 12. Jahrhundert, die man erhalten konnte. Interessant auch die Mischung verschiedener mittelalterlicher Epochen. Sehr interessant auch der neoklassizistische Bau des Rathauses mittendrin – ein wirklich beeindruckender Vertreter der Nunja-Klasse. Furchteinflößend die Waffenkammer mit so beeidruckenden scharfklingigen Vertretern wie zahlreichen Hellebarden (wofür die Nachtwächter bei den Führungen einen Waffenbesitzschein brauchen!) und meinem Favorit – dem keltischen Knollenknaufschwert. Wirklich ein sehenswerter Ort – ich werde bestimmt nochmal wiederkommen.

Blick durch mittelalterliche Säulen aufs Tal

Blick durch mittelalterliche Säulen aufs Tal

Da meine Achillessehne immer noch laut schmerzend jammerte, fuhr ich entgegen der urprünglichen Planung danach nach Hause. Passenderweise gab es eine Verbindung, mit der ich nur in Ulm umsteigen musste. Nicht wirklich schnell, aber hatte ja noch viel Übung mit stundenlangen Nahverkehrszugverbundungen noch aus meiner Heimfahrt letzte Woche!

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