Windig.

Sault – Mont Ventoux – Sault

52 km

Mistral. Volles Programm. Sonne pur, aber heftiger, kalter Wind. Und oben auf dem Berg natürlich um einiges heftiger.

Der Mont Ventoux sollte so ein wenig der Höhepunkt der Tour werden. Rein von der Meereshöhe ist er das ja auch, höhere Pässe hatten wir ja keine im Programm. Da wir ja erst morgen abend in Avignon sein müssen, war für heute Bergwertung – eben der Mont Ventoux – ohne Gepäck geplant.

So brachen wir nach gutem kontinentalen Frühstücksbuffet mit unglaublich leicht wirkenden Rädern auf. Zunächst mal wieder runter ‚ins Loch‘, da Sault – wie es sich für ein ordentliches provencalisches Dorf gehört – selbstverständlich auf einem deutlich wahrzunehmenden Hügel liegt. Die Nesque auf einem Brücklein überquerend ging es dann los mit 26 km Bergaufgekletter.

Der Mont Ventoux kennt drei Aufstiege: von Westen von Malaucène, von Süden von Bédoin und von Osten von Sault. Der letzte ist der am wenigsten Blut Schweiß und Tränen fordernde und da wir ja keine 20 mehr sind, wählte ich den letzteren. Mont Ventoux für Anfänger, sozusagen.

Im unteren Teil, d. i. die ersten 20 km ist er auch nie extrem steil. Den größeren Einfluss hatte der Wind – je nach Richtung der Gerade zwischen den Kurven blies er einem entweder aufs äußerste ins Gesicht und veranlasste die Rückschaltung oder aber er schob ganz wunderbar von hinten. Auf manchen recht flachen Passagen düste ich mit über 20 km/h zur nächsten Kurve, um von der nächsten Bö gefühlt niedergeknüppelt zu werden.

Der Aufstieg von Sault hat noch einen Vorteil: nach 20 km, wo die Straße von Bédoin in die Passstraße einmündet, erreicht man ein Bergrestaurant, was sich prima für eine Stärkung vor den letzten 6 km eignet. So saßen wir dort und beobachteten die wahren Radlermassen, die sich nun aus zwei Richtungen die von hier aus beachtliche Rampe hinaufkämpften. In der Summe waren heute mit Sicherheit erheblich mehr Menschen auf muskelbetriebenen Zweirädern unterwegs, was ja gut ist, da die alle nicht in platzraubenden Automobilen saßen. Die meisten aber zu 95% eher der Carbon-Lycra-Fraktion angehörend fielen wir mit unseren Normalorädern fast schon auf. Ein paar Superverrückte mit megabeladenen Tourenrädern waren auch unterwegs. Ein Leipziger hatte nach eigener Aussage 50 kg auf sein Rad geladen, was man auch glaubte. Und – später konnte sogar ein Bullitt beim Aufstieg beobachtet werden. Allerdings nicht wirklich beladen.

Ventoux

Man näherte sich. Der Gipfel sammelt gerne Wolken ein.

Nach der Kaffee- und Heidelbeerkuchenpause im Château Renard gaben wir uns die letzten 6 km. Diese sind dann doch recht steil, der Wind war noch heftiger und man kurbelt nach bis dort waldigem Aufstieg eine bizarr wirkende Mondlandschaft hinauf. Und hat von dort aus immer den Blick auf das Ziel und die Straße nach oben und das Gefühl, dass man eine enorme Rampe vor sich hat. Zum Schluss nutzte ich doch recht durchgängig meinen Rohloff-ersten Gang.

Mondlandschaft

Ganz schön steil auf dem Mond.

Aber wir kamen an. Trotz Wind, der einem ziemlich umher beutelte und dauernd steiler Rampe. Was für ein Gipfelglück!

Nach einem Kaffee und einer Kleinigkeit zu essen traten wir den Rückzug an, auf derselben Strecke wie hinauf. In Anbetracht der Temperaturen legten wir eine Schicht auf, die Regenklamotten dienten heute dem Windschutz und vermutlich wäre ich ohne sofort verstorben. Graham packte sogar seine dicken Winterhandschuhe aus.

Boah, und das Steilstück abwärts mit diesem Wind war dann auch wirklich eine Herausforderung. Man fährt dann ja auf der Seite der Hangkante, die so eben überhaupt nicht gesichert ist, wird noch überholt von Autos und Motorrädern und der böige Wind fasst einen alle 50 Metern anders an. An einem wirklich steilen Stück  packte mich der Wind so stark von vorne, dass ich ohne zu treten gerade eben nicht zum Stillstand kam. Puha. Und kalt war das plötzlich, nur noch mit dem Betätigen der Bremshebel beschäftigt!

Tatsächlich überlebten wir auch das, und das waldige Stück war dann wieder leichter. Abgesehen davon, dass man stellenweise gut durchgeschüttelt wurde. Offensichtlich hat der Franzose wenig zum Erhalt der Straße getan, ich hatte die Abfahrt von vor 24 Jahren als wesentlich ’smoother‘ in Erinnerung.

Und später wieder ganz weit weg, der Ventoux.

Und später wieder ganz weit weg, der Ventoux.

Zum Schluss galt es noch den Wiederaufstieg ins Dorf zu überleben, was mit den eingefrorenen Gräten im ersten Moment unmöglich schien. Dann aber gab es ein verdientes Bier auf dem Dorfplatz, von wo aus man sogar einen Ausblick auf den Gipfel hatte.

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