Über die Elbe

Lübeln – Hitzacker – Boizenburg – Büchen 90 km

Der Tag begann so wunderschön, wie der vergangene geendet hatte. Wir frühstückten im gepflasterten Innenhof unseres Landidyll-Hotels unter schattigen Linden mit emsiger Konzertbegleitung von der Zwitscherarmada.

Wir könnten uns kaum losreißen und die Uhr zeigte schon fast 10:00, als wir aufbrachen. Dementsprechend heiß war es schon. Unsere Route bis Hitzacker bot allerdings noch einigen Schatten. Optisch sehr schön, akustisch weniger, weil wir die kürzeste Route entlang verkehrsreicher Straßen gewählt hatten.

Recht schnell war Hitzacker erreicht. Nach kurzem Versorgungsstopp im Supermarkt führen wir ins Zentrum. Sehr schönes Altstädtchen und ein Eis gab es auch. Die Fähre über die Elbe fanden wir schnell und konnten ohne Wartezeit übersetzen. Wir setzten die Fahrt also auf der Nordseite der Elbe auf dem gleichnamigen Radweg fort.

Hitzacker downtown mit Eisdiele.

Doch was war denn das? Kräftiger Wind, und auch noch meistens von vorne! Naja, gehört im flachen Norden ja irgendwie dazu und mit den Liegerädern lässt sich ja tatsächlich ohne viel Anstrengung noch eine zufriedenstellende Reisegeschwindigkeit erzielen.

Der Radweg geht immer entweder auf dem Deich oder hinter dem Deich her. Wir blieben meistens dahinter, was windtechnisch etwas besser war. Auf der Deichkrone hatte man doch immer wieder einen weiten Blick auf die Elbtalaue. Rechts flaches Land mit im wesentlichen nichts. Ab und zu ein winziges Dörfchen, wo aber meistens dem Radler etwas angeboten wurde, Speis und Trank oder ein Bett. Und Deichschafe. Die mit den zwei verschieden langen Beinen.

Kein Deichschaf, aber ein Deichstorch. Der sich an den Radfahrern überhaupt nicht störte.

Kilometer um Kilometer führen wir so dahin, manchmal nach Richtungswechsel sogar mit Schiebeunterstützung. Der Wind kam aber nicht von ungefähr. Wir rollten auf e8ne schwarze Wand zu, von der am Rand schon regelrechte Regenvorhänge sichtbar waren. In Boizenburg entschieden wir uns daher, im Café Stenschke Unterschlupf zu suchen. Radler gab es zwar keines, aber köstlichen Kuchen und einen guten Kaffee. Und vermutlich Mitteleuropas umfassendste Sammlung an Kaffeekannen. Überall standen Prachtexemplare herum, und sogar draußen dienten sie zur Deko.

Café Stenschke in Boizenburg. Kaffeekannen satt.

Über eine Stunde mussten wir warten, entgingen aber einer kräftigen Schüttung. Und danach hörte es tatsächlich wieder komplett auf. Die letzten Kilometer Elberadweg brachten überraschenderweise einen richtigen Berg mit schön langgezogener Abfahrt.

Kurz vor Lauenburg schlugen wir wieder konsequent nördliche Richtung ein. Wir entschieden, noch bis Büchen zu fahren, weil dort eine Übernachtungsmöglichkeit in einer Pension zu finden war.

Büchen ist ein touristisch völlig unterbelichteter Ort, es hat auch so gar nichts Attraktives. Wir waren froh, nebst den verqualmten Bürgerstuben noch eine Pizzeria in der Nähe der Friedegart-Belusa-Schule zu finden. Die versorgte uns auch ganz ordentlich und rettete uns somit.

Friedegart Belusa leitete übrigens lange Zeit die Büchener Bahnhofsmission. In diesem Grenzbahnhof kamen in den 50ern zunächst die Spätaussiedler, ab den 60ern die DDR-Rentner. In 39 Jahren hat sich die Büchener Bahnhofsmission wohl um etwa 5 Millionen Menschen gekümmert.

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