Mein letzter Arbeitsweg (12.03.2020)

Eben füllte ich einen Fragebogen aus, in dem es im Rahmen einer Bachelorarbeit um den Zusammenhang zwischen Berufspendeln mit dem Fahrrad und dem Wohlbefinden geht. Man sollte dort die letzte tatsächlich erlebte Fahrt schildern. Coronabedingt bin ich seit dem 13. März im Homeoffice bzw. in der Kurzarbeit. Der morgendliche Weg bewegt sich inzwischen also zwischen Frühstücks- und Schreibtisch. Die Beschreibung der letzten Fahrt ins Büro wurde so ausführlich, dass ich euch gerne daran teilnehmen lasse.

Wenn ich unsere kleine Siedlung verlasse, komme ich zunächst an einer der letzten Streuobstwiesen der Stadt vorbei. Kurz vor Sonnenaufgang steht dort leichter Nebel über den Wiesen. Ich fahre durch ein kleines Stück Wald, damals noch mit sehr spärlichem Grün.

Unter der Brücke, die die Autostraße aus der Stadt hinausführt, hindurch und dann links. Man sieht noch deutlich die vielen umgefallenen Bäume der schweren Frühjahrsstürme. Dann führt mich der Weg auf die Straße, deren Fahrradstreifen ich kurz darauf nach links verlasse, um verbotenerweise auf den Fußgängerweg an der Rotachmündung einzuschwenken.

Hier ist man direkt am Seeufer. Schwäne dümpeln im seichten Wasser, das noch schwache Morgenlicht zeichnet die Silhouette der Berge. Außer mir ist kein Mensch unterwegs, das ändert sich auch nicht, als ich ins Hafenareal einschwenke. Über die laut bollernden Metallplanken an der Werft geht es an der eben angelandeten Fähre vorbei an die Uferpromenade.

Der Sonnenaufgang wird von der Glasfassade des großen Gebäudes reflektiert. Weiter an der Promenade, vorbei an den noch geschlossenen Straßencafés mit aufgestapelten Stühlen. Erste Menschen, die (damals noch) mit vorbereitenden Arbeiten beschäftigt sind.

Die Promenade beendet ihren Bogen um die Innenstadt und mein Weg setzt sich den Hügel hoch an der Kirche vorbei in die Innenstadt hinein fort. Ich fahre ein kleines Stück zurück, um danach die neue, schicke Fahrrad- und Fußgängerbrücke zu benutzen. Die Brücke verlassend muss man gut aufpassen: ein Hauseingang und eine Einmündung können immer unerwartete Hindernisse bedeuten.

Weiter geht es auf der Hinterseite der ersten Häuserzeile der Stadt. Wenig attraktive Fassaden von in die Jahre gekommenen Häusern, Geschäfte und Gewerbe, die man selbst noch nie in Anspruch genommen hat. Ein Durchschlupf bringt mich auf die Querstraße, die in Richtung meiner Firma verläuft. Unter der Bahnlinie hindurch folgt ein kurzer steiler Anstieg bis zum Kreisverkehr, zum Glück kommt keiner und ich kann ohne anzuhalten durch diesen hindurch.

Die Straße ist ein richtiggehender Miniboulevard mit einem breiten Grünstreifen mit schönen alten Pappeln in der Mitte. Die Fahrspur ist aber so eng und rechts sind meistens Automobile geparkt, dass ich sehr mittig fahren muss, damit es nicht zu gefährlichen Drängel-Überholereignissen kommt. Zum Glück auch hier kein Auto, das spürbar ungeduldig hinterher fährt.

Dann die erste Ampelkreuzung. Auf eigener Spur kann ich ganz nach vorne fahren und darf als erste die recht breite Kreuzung überqueren. Ein kurzes Stück leicht bergauf an der großen Unterführung vorbei geht es den letzten knappen Kilometer durch den Wald. Hier sind wie immer zahlreiche Fahrradfahrer unterwegs.

Nach diesem letzten Stückchen Naherholung komme ich abrupt auf die größte Kreuzung der Stadt. Hier ist immer viel Verkehr. Zwei Fußgängerampeln benutzend fädele ich mich aber für die letzten Meter auf die sogar zur Bundesstraße gehörige Fahrspur ein. In flottem Tempo geht es in den letzten Kreisverkehr, breit für den Schwerverkehr dimensioniert. Ich fahre hier mitten auf der Spur, um nicht abgedrängt zu werden. Eine der Ausfahrten führt ausschließlich zu meiner Firma. Auf dem jetzt erreichten Vorplatz ist immer Zulieferverkehr und ich muss aufmerksam einige LKWs beobachten. Alle sehen mich an diesem Tag und ich lande mit flottem Schwung wohlbehalten auf unserem Fahrradparkplatz.

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